Puer – Mohan (laotische Grenze) (02.12. – 08.12.)

 

 

Irgendwie kann ich es nicht ganz glauben, dass es heute weiter geht. Doch zu Mittag warten Leonie und zwei Gepäckräder im Innenhof des Hotels auf den Entkräfteten. Ein letztes Mal nehme ich den Fahrstuhl von 1 auf 0, dann niedersetzen auf die Couch im Foyer um wieder zu Kräften zu kommen. „Is okay!“ wird gescherzt, dann geht es durch Puer! Und es geht los. Wohin? In die Berge, natürlich! Über eine Seitenstraße nach Südosten. Nach 30km auf und nieder, waren wir dreimal am Straßenrand beschäftigt. Mal am Straßenrand picknicken, dann halten, nur um Roadproducts wie heute eine Schutzblechverlängerung für Leonie‘s Fahrrad zu gestalten oder die abrupt endende alte Straße über den schroffen Hang auf die neue tolle Asphaltstraße zu wechseln. Heil froh über den funktionierenden Schließmuskel campen wir etwas abseits eines kleinen Dorfes auf brachliegendem Acker. Leonie bereitet das Abendessen, ich bastele den authentischen Schmutzschutz zu meinem Interesse an das Heck, der zur Zeit meist vor mir Fahrenden. Hinein ins warme Zelt und ran an die Weihnachtskarten. Jeden Tag vier bis fünf dann können alle gesammelt und im Vorteilspack an der Poststelle vier Tage entfernt verschickt werden.

Bergab, bergauf 65% Tee, 30% Bananen und 5% Kaffee durch Nebel und durchnässte Luft. Bananenwälder mit blauen Schutzfolien, fast schon fertig für den Export liegen in den Tälern. Der Bananenbaum ist hier ein Vollwertprodukt: Bananen ist klar, ob grün oder gelb zum Verzehr, die bis 3m langen Blätter als Bau- und Packmaterial, der Stamm in Scheiben geschnitten für Vieh- und Schweinefutter, Bananenblüten, junge Sprossen und Wurzeln finden Verwendung in der heimischen Küche. Mittags wird es am Himmel heller, an einer Teerösterei wird A von B Qualität von Hand verlesen, es duftet und kommt als Einladung im Einmachglas als Heißgetränk, so frisch wie nie. Ein Tal weiter pflücken vereinzelt Arbeiterinnen reife Kaffeebohnen von den Büschen, die Leonie und der Sonne freundlich zusprechen. Es ist nicht mehr weit. Kangping für heute der einzige Ort der einen besetzten Markt hat, lässt uns kurz von der Hauptstrecke hinauf in den Ort schwitzen, um für das Abendessen einzukaufen. Nicht sehr schön, aber zweckmäßig schlagen wir paar Kilometer später das Lager an der Sanitäranlage des kleinen Dörfchens auf dem Parkplatz auf. Hier ist fließend Wasser und Privatsphäre auf der Toilette, wie wir sie aus China kennen und schätzen. Die Nachbarschaft ist überrascht und interessiert! Zweimal wird das Werk unseres Abendessens lachend bewertet, beim dritten Mal kommt die gutherzige Frau mit rund 4 kg Bananen zurück, die sie uns lachend schenkt! Meinem Bauch ist’s recht! Das Zusatzgewicht für die kommenden Bergetappen ist da kurz ausgeblendet.

Nieselregen und Tropfenregen wechseln sich am kommenden Tag im stetigen Wechsel ab. Dazu reiht sich eine steile Rampe an die nächste. Tolle Wurst! Oder besser Bananen. An einem kleinen Laden, als sich Wolken zum Regen machen öffnen, sind wir unterm Dach und in warmer Jacke am Mittagessen. Zu unserem Glück gibt es einen kleinen Markt entlang der Hauptstraße direkt gegenüber und Dampfnudeln etwas versteckt dahinter. Weniger Glück haben wir bei der Suche nach einem Schlafplatz, es liegt vermutlich am ständigen missverstanden werden, dass es uns völlig ausreicht auf dem Hof, dem Stück Wiese oder einem kleinen ebenen Fleck mit Zelt, heute vorzugsweise überdacht, zu nächtigen. Jedenfalls wird uns stets ein Hotel in der nächst größeren Ortschaft gedeutet, nur 23km entfernt! Zumindest der Wassertank/-sack wird gerne und freundlich aufgefüllt. In einer Regenpause und dann schon wieder bei Halbregen steht das Zelt und sind die Taschen im Vorzelt im fasst trockenen, unterhalb der Straßenböschung bei Dämmerung im Irgendwo. Kochen, Essen, Spülen, Karten schreiben und Hörbuch, 6.Kapitel aus: Das Märchen vom Karfunkelstein. Erinnern können wir uns an den Zwergenkönig, der alles wissen wollte nur stark rätselnd.

Am frühen Morgen, als die Sonne langsam aus den Wolken bricht. Sonne satt, ein satter Pass, Tonnen an Bananen am Straßenrand, paar alte aber sehr schmackhafte Maracuja im Straßengraben und süße Frühstücksmantou zum dahin schnausen. Uns beiden geht es gut. Wir passieren den Scheitelpunkt und genießen den Weitblick von einem Betonrohbau der einem in naher Zukunft den Blick von der Straße verwehren wird. Ein letztes Mal für heute saftend bergauf, dann checken die Finanzen die Hotelpreise, ohne Reisepässe nimmt uns hier jeder gerne ohne Probleme. Wir sind platt und lassen den Blick aus unserem Zimmer auf die Marktstraße zwinkern. Das kleine Städtchen ist süß, es gibt alles was ein Radreisender braucht! Einer der Orte der so wie er ist, authentisch und schön, so bleiben darf, wenn er möchte. Es ist Nikolaus Abend. Selten aber lecker gehen wir essen.

Decken uns ein auf dem Markt am nächsten Morgen, geben gespannt und nervös unsere Arbeit der letzten fünf Abende im Postbüro ab und verlassen das Nest in Richtung des nächsten langen Aufstiegs. Der Energieverbrauch ist gewaltig, nach dem Pass kochen wir am Straßenrand unser Mittagessen und rollen ausreichend gesättigt in die lange Abfahrt die uns zurück oder besser gesagt parallel zur Nationalstraße bringt, die sich dann gemeinsam zur laotischen Grenze erstrecken. Im Tal angekommen, treffen wir auf die ersten laotisch buddhistischen Tempel und den touristischen Hype, den Chinesen aus der Szene schnell zu betonieren geneigt sind. Guter Tourismus muss für den Chinesen teuer sein, was uns schnell über die Preise staunen lässt. Weiter geht‘s in der Hoffnung die Szene in geeigneter Entfernung hinter uns zu lassen. In Mengyuan, einem kleinen Dorf ist es geschafft! Achtzehn Kilometer entfernt von dem Hype kehrt Ruhe ein. Das Doppelzimmer für eine Nacht macht 50元, dass da mal das Licht im Badezimmer nicht funktioniert oder die Waschbeckensiphon nicht existiert, ist Standard. Ein Zufall, dass wir hier auf Hilda und Mark treffen, zwei niederländische Radreisende, die sich gezwungen sahen ihre geplante Seidenstraßenreise in Istanbul auf Grund eines Laufraddefekts spontan und dann radikal umzugestalten. Die Beiden sind entspannt, Hilda, nach unserem Eindruck eine Frühaufsteherin, Mark eher der Chiller. Gemeinsam gehen wir essen und gönnen uns später Eis am Stiel, Typ „bitter coffee“, geiler Nachtisch! Währenddessen wird im Erdgeschoss des Hotels eifrig am professionellen Tisch gezockt, an dem es für unseren Geschmack um hohe Einsätze geht.

Am frühen Morgen, es mag 06:30 sein, satteln die Zimmernachbarn bereits die Räder und sind auf und davon. Drei Stunden später sind auch wir auf der Straße, halten aber gleich auf dem Markt um die Ecke wieder an, um die üblichen Besorgungen zu tätigen. Da wundert es nicht, als wir Hui, ein Radladenbesitzer aus Kunming, der uns auf dem Fahrrad entgegenkommt, berichtet, er habe zwei Radler bereits vor vier Stunden beim Anstieg passiert. Wir lachen, fragen ihn nach ein paar Tipps für Laos, ob wir nach Luang Prapang fahren, fragt er. Wir zucken die Achseln und vermuten: „vermutlich schon“ er habe dort einen guten Freund, den könnten wir gegebenenfalls kontaktieren. WeChat ID und Bilder werden geknipst, dann trennen sich die Wege. Mengla, der letzte große Ort bevor wir das Land der Mitte verlassen, ist für heute erklärtes Ziel. Doch als wir nach wenig belebter Landstraße, bereits am Mittag aus den Wäldern in die pulsierende laute Stadt einfahren, sind wir schnell geneigt nach den notwendigen Einkäufen, eine ruhigere Gegend aufzusuchen. Hinter der Stadt, weit außerhalb der Schallgrenze, auf einem Hügel werden wir fündig. An einem Friedhof umgeben von Bananenplantagen, an einem Haus mit Carport, Sanitär/WC und Dusche und einem starken WLAN mit weniger starkem Passwort: 88888888 (das chinesische Standardpasswort, neben 123456789). Wir sind auf einem Campingplatz, der bis dahin nicht wusste, dass er einer ist! 🙂

Wieder einmal schert sich niemand um das, was hier vor sich geht, als die Regentendenz steigt belagern wir zudem das Carport und sind wohl geschützt vor dem Regen der des Nachts danieder geht. Leider regnet es auch den folgenden Tag und so erreichen wir ziemlich versifft und nass die Grenzregion, verwerten die restlichen Yuan 元 in ein reichliches Mittagessen und radeln dem Boardercrossing entgegen. Es ist vielleicht der Tag, das Wetter oder es mag sein, es liegt zum Teil auch an uns, als wir uns überreden lassen vor der Grenze bereits einige Dollar in laotische Kip zu tauschen, was uns später den halben Abend auf laotischem Festland beschäftigt. China bleibt uns in gewaltiger, nicht überschaubarer Größe, spannend und kulturell kontrastreich in guter Erinnerung.

  3 comments for “Puer – Mohan (laotische Grenze) (02.12. – 08.12.)

  1. FloS
    5. Februar 2016 at 20:51

    Ihr verrücken, schön das ihr gut gelaunt und munter die Reise macht. Reise Reise.

    Freunde von mir sind grade in Indonesien bei Freunden. Ich hatte denen von euch erzählt, falls ihr Lust habt, ihr seid herzlich eingeladen Sie in Indonesien zu Besuchen. Die Freuen sich bestimmt Mega. Sie sind ein Pärchen und machen Animation Kunst.

    Ahoi ihr durch die Welt lenkenden Freudestrahler, beste Grüße vom Karneval, was ihr leider verpasst….

    • Philleo
      17. Februar 2016 at 10:22

      Hallo Flo, danke für deinen enthusiastischen Kommentar und den Tipp…gerade sind wir noch nicht sicher, ob und wo wir Indonesien besuchen werden.

  2. Jürgen und Annette
    31. Januar 2016 at 10:57

    Bringt mal Kaffeebohnen mit. Die röste ich dann für euch wenn ihr wieder da seid.
    Gruß
    Jürgen

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