Iran

Iran Spezial

Der Dschungel:

Wer den Iran besucht, wird spätestens nach ein paar Tagen mit Einheimischen auf den „Dschungel“ zu sprechen kommen. Der Dschungel eine gefährliche Gegend, voller wilder und exotischer Tiere, wild und unberührt! Für fremde und unerfahrene Reisende mag sogleich ein spektakuläres Bild entstehen. Geschichten von Bären, Leoparden und extremen Wetterverhältnissen steigern die Vorstellung fast bis zur Extase! Je näher die Wildnis rückt, desto spannender wird die Vorstellung, bis sie am Tag des ersten Kontakts verpufft! Vor uns ein Wald, auf Grund der gebirgigen Lage kein Nutzwald das wird klar! Zudem entlang der Straße dicht belebt und becampt! Kein Hauch einer Spur von Wildnis oder Exotik! Doch vergleicht man die Landschaft des im Süden lebenden Iraners, so versteht man die Geschichten um den Wald der sich beeindruckend schön entlang der kaspischen Küste über das Gebirge ausbreitet.

 

Straßen & Verkehr:

Auf alle Fälle spektakulärer als der Dschungel. Es tummeln sich auf der Piste alle erdenklichen alten Karren, Kisten, Mopeds und wunderschöne Trucks. Feinstaubbelastung stört hier niemanden, Farbvielfalt, spannende Karosseriekonstruktionen und für europäischen Geschmack extrem bedenkliche Ladungssicherung bringen eine ungeahnte Exotik! Landesweit typisch sind die über 36 Jahre alten blauen Nissan Trucks, in unterschiedlichster Verfassung, deren Ruf im Umgang mit Verkehrsregeln zwar nicht der beste ist, so lautet eine ungeschriebene Regel im iranischen Verkehr: Meide steht’s den blauen Nissan Truck! Doch fern der gängigen Verkehrswege stellen sie die wichtigsten Transportversorger dar! Und in der Not, werden auch zwei Radreisende auf den benebelten Pass transportiert. Überholt wird stets dann, wenn es die kleinste Lücke zulässt, links, rechts, in Kurven, bei Nebel oder alles in Kombination, das spielt keine Rolle, ein lautes Hupsignal kündigt den Passierenden im letzten Moment an, ohne vorausschauend die nächsten Speedbumps im Blick zu haben, wird im Normalfall darüber gebrettert!

Je nach Ausführung und Ausstattung der Hupsignale, kann sich der Iraner über die verschiedenen Töne, die das Gefährt von sich gibt, mit anderen Verkehrsteilnehmern unterhalten. Die Vielfalt kennt auch hier kaum Grenzen. Fahrbahnstreifen geben in erster Linie das maximale asphaltierte Ausmaß der Straße wieder. Das heißt aber nicht, das die Breite nicht nach Belieben erweitert werden kann. In der Regel passen auf drei Fahrspuren fünf Autos mit etwas Luft nebeneinander, was der Iraner dann auch bevorzugt. Der Kreisverkehr und manche Kreuzungen bleiben uns wie in Albanien ein Rätsel! Auf allen Straßen haben wir uns jedoch respektiert und sicher gefühlt. Bloß keine Scheu, Rücksicht im Verkehr kann auch der Iraner umsetzen.

 

Der/Die Iranerin:

Gastfreundschaft steht an erster Stelle! Es gibt seitens der Iraner keine Kontaktscheue, schnell wird man nach den persönlichsten Dingen gefragt und ist nach einer Minute Freund eines Iraners und nach zwei Minuten Freund der Familie und aller Verwandten. Je nach Ausprägung der Gastfreundschaft ist Mann/Frau ab diesem Punkt fremdbestimmt. Alles wird arrangiert, um es dem Gast so speziell wie möglich zu machen. Dass wir oft mit dem Viertel des Aufwands mehr als zufrieden wären, spielt nun keine Rolle mehr. Angebot über Angebot, wir lernen mit der Zeit die Dinge zu Händeln, jedoch gerät das Gleichgewicht von Geben und Nehmen meist außer Kontrolle. Kontaktaufnahme läuft im Allgemeinen so: Hey Mister! Mister! Taxi? Wellcome in my country/city! How are you? Where are you from? Which city? Are you tourists? What’s your name? How old are you? Is she your wife? By the way what’s your religion? Do you have childrean? What’s your job? How is Iran? Do you like it? ….usw. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an die Questionattack in Meyaneh. Dieser oder ein abgewandelter Katalog wird den Reisenden treffen sobald er mit dem Rad anhält oder bei voller Fahrt in kompliziertem Verkehr aus dem Beifahrerfenster heraus attackiert wird, wenn er nicht schon auf dem Standsteifen ausgebremst wurde. Der Zeitpunkt des Zusammentreffens macht den Unterschied, Einladung zum Melone essen im Schatten, Tüte voller Aprikosen und Kirschen, Melone für unterwegs, kalte 1,5 PET Eisflasche oder Einladung zum Eisschlecken, Lunch oder Dinner! Geile Sache! Zu Hause in den Familien zeigt sich oft ein anderes Bild als auf der Straße, es hängt zwar im Wesentlichen davon ab, welches Level an Religiösität die einzelnen Familienangehörigen bevorzugen, doch hatten wir meist den Eindruck, dass die Zeit vor der Revolution weiter in die Gedanken und Vorstellungen der jüngeren Generation transportiert wird und weiterlebt. Auch das viele iranische Familien international verteilt sind, ist ein Ausdruck dafür, dass der Wunsch nach Veränderung und mehr Freiheit fortbesteht.

 

Das Picknick:

Das iranische Wochenende ruft die Iraner in die Natur oder einfach nur auf die Straße zum Picknicken! Zelt, Teppich, Kissen, Gaskocher, Töpfe, Pfannen, Melone zwei bis acht, Kebapspieße, Chai und Doogh, dann geht‘s los! Dabei spielt es letztlich keine Rolle, wo das Picknick zelebriert wird, ob auf dem Standstreifen der Autobahn, im durchnässten, nebligen Dschungel, im Park oder um die nächste Ecke auf dem Bürgersteig! Hauptsache Picknick!

 

Die Busfahrt:

In Erinnerung bleiben uns die Fahrt von Chalus nach Teheran. 170km, 9 Stunden Fahrt an Leonies Geburtstag und hinter uns eine alte Dame die sich in dem kurvigen Streckenabschnitt unzählige Male übergeben musste und das Pendant zur türkischen Busfahrt in Erinnerung rief. Und die Fahrt von Abas Abad nach Gorgan als nach 30km eine zehnköpfige Familie die Rückbank hinter uns entert und ihre Version von mobilem Picknick startet, während die nackten Füße über die Rückenlehnen in Position gebracht werden und die 5-jährige die Musik eines Aktivlautsprechers bis zum Anschlag dreht und alle halbe Stunde die Fenster des Busses mit ihrem Gekreische zum Vibrieren bringt. Als wir den Bus verlassen, flehen die ersten Iraner auf den hinteren Sitzen, endlich um Ruhe! Busfahren: stets ein Erlebnis!

 

Bojnurd – Sarakhs (03.08. – 13.08.)

Nach 30km sause ich vorausschauend und zu konzentriert durch die erste Stadt, dass ich nicht einmal realisiere, dass ich an zwei Radreisenden vorbeiradele. Dank Leonie lernen wir den würzigen Oregan und seine Freundin Celine kennen, die wir am späten Nachmittag im Passenger-Park von Faruj wiedertreffen und gemeinsam Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse austauschen. Die Beiden bleiben uns in angenehmer und entspannter Erinnerung, als wir sie am nächsten Tag an der Weggabelung von Mashhad und Ashgabat drücken, wünschen wir ihnen und sie uns, eine sichere Weiterreise.

Am Mittag erreichen wir Cheneran, ein kleines Städtchen mit großer netter Parkanlage. Schnell einkaufen, für Mittag, Abendbrot und Frühstück. Gemüse, etwas Obst, Käse, Milch und Brot! Dann im weichen Gras am besten alles hängen lassen und Schlafrationen auftanken. Brot finden oder besser gesagt den Becker finden, der gerade geöffnet hat, Brot backt und verkauft, ist gewöhnlich die zeitaufwendigste Besorgung. Wir kommen nicht drum herum, jemanden zu fragen, was die Sache tatsächlich beschleunigt, aber im Effekt verlängert. Einladung zu Eiscreme, Einladung zum Lunch, Einladung zum Übernachten, wir erklären, das wir Zeit für uns brauchen und diese im Park alleine und in aller Ruhe genießen wollen. Es wird Nachmittag bis wirklich Ruhe um uns einkehrt. Im Halbschlaf züngelt das Interesse an uns, die Nacht verbringen wir im Zelt, das bei Finsternis hinter dichten Sträuchern abgelegen von der Campingarea ein ruhiges Stück Erholung bringt.

Früh am Morgen, die Damen im schwarzem Überwurf = Shador = Zelt drehen auf der Walkingstrecke bereits ihre Runden, gibt es Müsli und Brot mit lecker Tahin-Schokocreme. Bis nach Mashhad radeln wir über den stark befahrenen Highway und leuten um 09:30 an der Tür von Vali‘s Homestay. Rezar, sein Sohn öffnet halbmunter die Tür und im Inneren der Schlafstube, rasten Bard & Monika, zusammen mit zwei Schweizern und einem deutschen Lightbiker mit Faltradträumen. Es tut gut die Beiden nach fast einem Monat wiederzusehen und einen ganzen Tag zu quasseln. Nachmittags fällt zudem ein großes Stück Anspannung von uns ab, hatten wir doch von einigen Visazurückweisungen in den vergangenen Tagen gehört, die Radreisende dazu zwangen, viel Geld für einen Plan B aufzubringen. Um 14:00 schlendern wir in beherzter Freude mit den Turkvisa durch die Stadt! UFFF! Geile Scheiße! Guya Shizer! (Würde Rob dazu sagen) 🙂 Genauso ist es. Zwei Abende genießen wir mit anderen Reisenden riesige Portionen leckeres vegetarisches Essen, bis wir unsere Sachen packen und zusammen mit Olivier, einem französischen Radler, der nach 7 Jahren auf dem Weg nach Hause ist, die Straße teilen.

Bei Moshen (25) und seiner Familie: Schwester Malilehe, Bruder Masoud, Mama Maryam und Papa Mehdi vergeht die Zeit bei leckerem Essen, Gesprächen über die Verwandten in Europa, Fernsehen, in Mashhad selbst und im Holy Shrine, der wie ein gigantischer Magnet die Pilgernden ins Innere der gigantischen religiösen Stätte zieht. Festivalcharakter! Für Leonie im Shador eine ungewohnte Situation! Gerade abends sehr zu empfehlen. Richtig heimisch fühlen wir uns bei Mohsen, bei Tomatensuppe, Zwiebelkuchen und Dampfnudeln, selbstgemacht und als Dank für das fantastische Essen seiner Mutter. Gemeinsam schlemmen und hoffen wir mit Mohsen, der sein Architekturstudium im BA abgeschlossen hat, dass seine Armeezeit schnell vorrübergeht und wir ihn ebenfalls in unsere Heimat willkommen heißen dürfen. Sobald er sich mit dem Fahrrad auf den Weg macht, melde dich!

Am Morgen lassen wir Mashhad im Westen hinter uns, um an den verbleibenden drei Tagen, mit je kleinen Etappen, die Red Crescent Stations (muslimisches rotes Kreuz bzw. die rote Mondsichel) anzusteuern. Immer werden wir herzlich aufgenommen, bekocht und im Anschluss startet ein Match Volleyball, das wir am zweiten Tag gegen den Besuch einer über 1500 Jahre alten Caravanserei eintauschen! Die Tage sind heiß, jedoch lässt es sich früh am Morgen gut pedalieren, zumal die Etappen angenehme 50-70km lang sind. In Sarakhs der letzten Stadt vor der turkmenischen Grenze, spenden die Bäume im Park partiell Schatten, für einen erträglichen Mittag. Die Stadt ist deutlich ruhiger, was an der hohen Population der hier lebenden Kurden liegen mag. Am Nachmittag suchen wir ein letztes Mal die Red Crescent Station auf, dort gibt es extra für Reisende: Küche, Bad, WC und einen Teppichraum, der uns und Zsofi (30 aus Ungarn), die kurze Zeit später, samt Radreiseequipment eintrifft, des Nachts kaum zum Schlaf kommen lässt. Zu heiß, ein Haufen Moskitos und kleine andere Stecher streuseln sämtliche Füße, Hände und andere ungeschützte Stellen. Mit vielen Erinnerungen, an Menschen, Freunde, Land, Gastfreundschaft und den vergangenen ungarischen Abend mit einem Haufen Pfannkuchen, an dem wir an Milan, seinen Bruder und Mama in Bölcske denken müssen, rückt die Grenze und die Wüste näher. Khodahafez Iran, thanks for being in your country!

Aus- und Einreise verlaufen gegen alle Erwartungen reibungslos, selbst die turkmenischen Beamten machen auf uns einen entspannten und fast freundlichen Eindruck. Wer hätte das gedacht. Hatten wir doch von Reisenden ganz andere Erfahrungen und Berichte gelesen und gehört. Stundenlanges Warten, Filzen von jeglichen Gegenstände und forscher Handhabe der Offiziellen, zu dritt sind wir in exakt zwei Stunden, easy going auf turkmenischem Boden. Vor uns knappe 500km Wüste und Tagestemperaturen von 40 Grad und aufwärts mit konstantem Gegenwind.

Salman Sharh – Bojnurd (27.07. – 03.08.)

Wir nehmen den Bus von Abas Abad nach Gorgan, wo uns nach 7 Stunden Fahrt Soroush am Terminal abholt und uns mit seinem Auto zu sich nach Hause guided. Es ist angenehm heiß, am letzten Hügel öffnen sich all unsere Schweißporen zum Wasserlassen, transperierend stellen wir unser Zeug in den Innenhof und entpacken notwendiges Duschequipment. Busfahrten bringen in der Regel Überraschungen, wir dachten wir hätten bereits alle hinter uns (siehe Busfahrt Spezial), doch als wir den Packsack mit den Schlafsäcken öffnen, hat sich unnützerweise die teure türkische Sonnencreme auf der Schlafsackhaut in dicker Dosis verteilt! Such a pity! Im Auto entfernen wir uns von unserem koordinierten Chaos im Hof, die Familie wohnt im Sommer in einem Bergdorf, ca. 15km außerhalb der Stadt, in dem es in der Regel 10 Grad kühler ist als in Gorgan selbst. Soroush ist Bergführer, betreibt parallel ein Möbelgeschäft, er spricht super Englisch und besitzt ein Cellphone das pausenlos Nachrichten erhält. Entspannt werden wir in der Familie aufgenommen, wieder gibt es leckeres Essen und energiegeladene Tanzeinlagen von der Kleinsten aus der Familie.

Der Plan steht, als wir am Morgen mit Soroush zurück in die Stadt fahren: Visa im Passbüro verlängern lassen, Wäsche waschen, Kleinigkeiten in der Stadt besorgen und den Basar besuchen. Alles kommt anders: Die Waschmaschine ist außer Funktion, der Officer bewilligt zwar die Visaverlängerung, beim Versuch die Gebühr zu zahlen, stürzt jedoch zwei Kunden vor uns das Bankensystem zusammen. Wir warten knappe 2 Stunden, dann schließt die Bank für den heutigen Tag. Etwas frustriert erholen wir uns zu Hause unter dem Gebläse der Klimaanlage und schlafen bis in den Abend auf dem Teppich. Danach: Basar und Handwerkskunst in einem der traditionellen Gebäude der Stadt, leckeres Eis, Bananashake und 400.000 Rial (ca.10€!!) für einen Waschgang in der Wäscherei, was uns trocken Schlucken lässt. Der Abend in den Bergen lässt alles vergessen, Soroush’s Familie hat üppig gekocht! Persische Küche basiert auf Reis, mit vielen verschiedenen Beilagen: frittierte Aubergine, frische Kräuter, wie Schnittlauch, Basilikum, Minze, dann kleine Salate, Omlette, Tadik in verschiedenen Variationen, gegrillte Tomaten und Kebab. Die Iraner lieben ihr Essen!

Früh am Morgen verabschieden wir uns. In herzlicher Atmosphäre sagen wir Danke für alles, erledigen den Geldtransfer, die komplizierte Visaverlängerung für den Officier, mit Hilfe von Soroush und satteln die im Hof wartenden Räder. Bimmelnd und Winkend verlassen wir Gorgan nach Osten blickend! Kheyli mamnun Soroush!

In der Mittagshitze auf dem Rad in den Tag starten, sollte gut überlegt sein, wir wussten: „Es ist nicht clever!“, aber nach 10 Tagen Visa-Reise-Organisation und einem Leben als Gast, radeln wir bis uns der Kopf von der Hitze schmerzt. Nach einer ausgedehnten Pause mit Früchten und Nüssen sind wir ausreichend gestärkt und halten erst einmal Mittagsschlaf. Um 16:30 Uhr raffen wir uns auf und erreichen am späten Abend einen lichten Wald in dem wir uns versteckt, vor den Blicken der Straße, einen Schlafplatz suchen. Während wir kochen, fährt die Polizei ihre letzte Patroullie durch den Buchenwald, danach wird es still aber leider nicht kühler als 27 Grad. Früh am Morgen sitzen wir auf dem Rad, als uns 5km später drei Radreisende in der Gegenrichtung passieren, denken wir an Jude, Astrid & Bruce, die wir in Kroatien trafen. Während dem Einkauf für unser Picknick in Galikesh, gabelt uns Mohammed beim Becker auf, bietet uns organic homemade icecreme, sehr zu empfehlen und kümmert sich in professioneller Weise um das Wohl seiner Gäste. Die Sonne heizt dem breiten Tal mächtig ein. Unter zwei Feigenbäumen, die mit die einzigen Schattenspender sind, verbringen wir den Nachmittag und köcheln im heißen Wind, der über die steppenartigen Felder föhnt! Ein Truckerfahrer hatte uns noch zuvor in guter Radsportmanier am Straßenrand, während der Fahrt, wie beim Staffellauf, eine durchgefrorene 1,5L PET-Flasche überlassen, die nun zwischen unseren Nacken hin und her wechselt. Um 18:00 trauen wir uns aus dem Schatten. An einem Feldsprenkler nutzen wir das kalte Nass, radeln tropfend Richtung Eingang des Golestan Nationalparks und machen auf der Straße Bekanntschaft mit Hassan (28), seiner Mutter Soheyla und später beim Abendessen auch mit seiner Schwester Elmira, die vor knapp 20 Jahren in Köln ihre zweite Heimat gefunden haben. Die Familie besitzt Haus, Reis- und Getreidefelder, Obstwiesen und eine kleine Feriensiedlung, in der wir ebenfalls für eine Nacht ein zu Hause finden.

Freitag morgen, iranisches Wochenende! Wir essen noch ein kleines Frühstück mit Soheyla, die Kinder schlafen gewöhnlich bis mittags um 12Uhr, da stecken in den Beinen bereits 40km leichte Steigung und in Leonies Schenkeln 50km, davon 10km Kopftuchbesorgungsfahrt, zurück zum Startpunkt. Weitere 5km später sitzen wir mit Familie Deshbani nahe eines Bachlaufes beim Mittagesessen auf dem Reiseteppich. Im Schatten der Bäume und am Wasserfall bachaufwärts ist reges Treiben, hier wird gejubelt und voller Freude im Wasser agiert! Jung und Alt, jeder ist mit Herzblut dabei. Wir chillen den gesamten Nachmittag mit Yaser’s Familie: Yaser & Soudabeh seiner Frau und Tochter Yasra, Amin und Javad seinen Brüdern, Mutter Tooti, Vater Ali und werden Teil des Picknicks. Wir fühlen uns wohl und verabreden uns für den nächsten Tag in Bojnurd, der Heimatstadt der Picknickenden! Spät ist es, als wir wieder Pedale unter den Füßen spüren, 35km bis nach Robat Gharehbil, einem kleinen Ort in dem wir nach Mondaufgang in einem kleinen Laden alles für ein leckeres Abendessen finden und die halbe Station für Reisende belagern. Waschraum, Dusche, leerer Raum mit Teppich zum Schlafen! Im Prinzip das gleiche Feeling wie das Ferienhaus am Vorabend, nur ohne Schlüssel. Mit Gedanken an die 10-köpfige Familie, die uns am Abend auf der Straße gleich zweimal stoppte, um mit uns Bilder zu machen, müssen wir beide über deren glückliche Freude lachen. Schmunzelnd schlafen wir ein und starten zeitgleich mit der Familie aus Teheran, die das Nebenzimmer nutzt um 05:00 in den Tag.

Es wird ein schneller, sehr heißer, mit einem Pass gespickter, langer Tag werden, den wir mittags im Schatten unterbrechen, um bei Einbruch der Dunkelheit in Bojnurd bei Familie Deshbani aufgenommen zu werden. Die beiden Jungs Amin und Yaser sprechen perfekt Englisch. Es wird viel erzählt, erklärt und gelacht. Schön wenn Humor transportiert werden kann! Wir werden verwöhnt mit unglaublich gutem Essen, süßen Leckereien und tauchen ein in die Mehrgenerationenfamilie. Balkon, Mückendefender und frische Luft lassen die Nacht zur besten dieser Woche werden, ohne früh auf die Räder steigen zu müssen, schlafen wir bis in den Vormittag und erkunden mit den beiden Brüdern die Stadt und den IT-Laden, den die beiden im Zentrum der Stadt führen. Alles Kopien, alles ohne Copyright und alles was den Gamer erfreut. Danach wird zu Hause gechillt und am Abend geht es in den Park, in dem sich die Päärchen treffen und die Reisenden nächtigen. Relaxte Stimmung, einige Tassen Chai mit gekühlten Rosinen (geiler Mix!), offene Gespräche über Leben, Zukunft und finalen fliegenden Keulen im Park bringen Publikum und ein unerwartetes Wiedersehen. Während dem Essen laufen bereits die Videos von Partnerjonglage im Park und Bilder der letzten Tage. Es wird gelacht und gestaunt. Als Kugeln rollen wir in unser Nachtlager auf dem Balkon.

Der Abschied fällt nicht leicht, wir sollen noch einen Tag bleiben, wir einigen uns darauf, das uns Yaser bis ans Ende der Stadt begleitet, dann spritzt uns Weihwasser und kleine Tränchen hinterher und die Straße schnörkelt sich ein paar Kilometer zum Tünnelchen der den Hang durchlöchert.

Salman Sharh – Teheran und zurück (21.07. – 27.07.)

21.07.2015 Der erste Geburtstag auf Reisen, 28 Jahre Leonie, wir essen noch Geburtstagslunch bei Nasim, dann fahren wir mit ihr nach Chalus und buchen mit ihr den Bus am Terminal nach Teheran. Etwas abseits des Trubels erblicken wir ein leicht und ein schwer bepacktes Reiserad, eine Radlerin aus Malaysia und Sebastian welch ein Zufall. Die Beiden nehmen den Bus zwei Stunden vor uns und während wir auf unseren Bus warten, koordinieren wir eine Bleibe für Sebastian in Teheran. Nach dem Regen der vergangenen Tage, pünktlich zum Ende der Fastenzeit, war die Verbindungsstraße nach Süden in die Hauptstadt für 2 Tage auf Grund von Überschwemmung und Erdrutsch gesperrt. Weshalb viele Urlauber die im Dschungel feiern waren, an der Küste festsaßen. Es sind knappe 9 Stunden, die wir für 176km im Bus sitzen, was die Verkehrslage ganz gut beschreibt. So hatte sich Leonie ihren Geburtstag nicht vorgestellt! Um 00:30 erreichen wir den Bus-Terminal, an dem uns Ahmed (unser Gastgeber) und Sebastian abholen. Wir können für zwei Nächte bei Ahmed’s Vater schlafen, der mit 87 Jahren einen sehr vitalen und äußerst netten Eindruck auf uns macht. Ahmed, der jüngste aus der Familie, wohnt mit seiner Frau, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, seine beiden Söhne studieren in Indien und Holland. Es gibt viel zu erledigen in Teheran! Früh am nächsten Morgen verabschieden wir uns von Sebastian, der sich in die Stadt auf die Suche nach einem Fahrradkarton macht, um am Tag darauf nach Katmandu zu fliegen. Zusammen mit Ahmed fahren wir erst zur Embassy of Turkmenistan, dann Richtung Stadtzentrum zur Embassy of Germany, das letzte Stück gehen wir zu Fuß und verabreden uns mit Ahmed am Nachmittag, der in einer anderen Richtung der Stadt Termine hat. Auf dem Weg treffen wir Fabian und Lisa, aus der Nähe von Zürich, die vor zwei Jahren mit dem Fahrrad in Südamerika auf Reisen waren und diesen Urlaub mit Zug und Bus im Iran verbringen. Schön euch getroffen zu haben 🙂 40$ lassen wir auf unserer Botschaft für die „Letter of support“ und schlendern danach über den Grand Bazar vorbei an wuselnden Menschenmassen. Am späten Nachmittag bereitet Leonie die Applicationbattery für das chinesische Visum vor und nach anstrengender, erfolgsloser Suche für eine stornierbare Flugbuchung, weist uns Ahmed darauf hin, dass sein Bruder eine Travel-Agency leitet und dies kein Problem sein dürfte. Wir schwimmen in Sahnecremetorte und pudern uns auf Wolke sieben! Was ein Zufall, welch ein Glück!

Am nächsten Morgen ist alles ready zur Abgabe, nervös betreten wir die Botschaft und treffen auf Taneli aus Finnland, der hier zum dritten Mal binnen einer Woche steht und auf das OK der offiziellen Vertreter hofft. Für ihn und uns steigt die Spannung, letztlich läuft alles glatt und zusammen zahlen wir die Visa in der Bank gegenüber. Taneli ist bestens auf alles vorbereitet und gut informiert! Er weiß Bescheid über die Lage auf dem Pamir, auch dort hat es letzte Woche einen Erdrutsch gegeben. Er gibt uns zu bedenken, dass die letzten Wochen durchschnittlich viele Reisende in Mashhad ihr Transitvisa verweigert bekommen haben und fragt uns nach unserem Plan B. Mit Blick auf unser Budget scheint es nur Plan A zu geben, für Flüge oder aufwendige Ausweichruten um die Turkmenen zu umfahren fehlt uns offensichtlich einiges an Dollar! Wir hatten gehofft am internationalen Flughafen mit unserer Visa Card frisches Geld abzuheben, doch diese Option scheint es nie gegeben zu haben. Gemeinsam grübeln wir nach einer Lösung, ankommende/abreisende Flug-Reisende aus Deutschland nach ihren Dollars fragen, oder in Reiseforen einen Currier finden? Beides klingt kompliziert und zeitaufwendig. Dann fällt Taneli ein, dass sein Freund aus Belgien Bert (28) mit überdurchschnittlich viel Geld in den Iran eingereist ist und nun wie er bevorzugt, den Umweg über Armenien, Azerbaijan (Baku), mit der Fähre nach Kasachstan zu fahren um die Turkmenen zu skippen. Nach einem kurzen Gespräch mit Bert, treffen wir uns zu viert im Zentrum wo wir von ihm eine ordentliche Geldspritze erhalten und er voller Freude den armen Deutschen auf die Schulter klopft 😉 Wieder pudern wir uns im Glück! Vielen herzlichen Dank euch Beiden, wir hoffen es geht euch gut! Merci beaucoup Bert! Kiitos paljon Taneli!

Auf dem Rückweg ist wirklich alles klar wie Kloßbrühe! Organisatorisch ist alles erledigt, die restlichen Tage können wir bei Ahmed und Saeedeh bleiben, die uns für das Wochenende zu ihren Freunden Simin & Fasard außerhalb von Teheran mitnehmen, wir genießen die Zeit im Freien und das leckere Essen in einem riesigen Haus mit Blick auf grüne Täler und bergiges Umland. Am Folgeabend, zurück in Teheran, hat Mohammed, Ahmed’s Bruder, zum Familienessen geladen. Auch wir finden uns im Kreis der großen Familie wieder und feiern bei iranisch-internationaler Kultur bis in den frühen Morgen bei angenehmen Gesprächen, traditioneller Musik auf der „Tar“ und extrem leckerem Essen! Wieder eine kurze Nacht, um 10:00 startet unsere Guidetour inklusive Fahrer durch die Stadt zu den noch jungen historischen Spots der Stadt. Azra eine straighte Dame führt uns gezielt zum Niavaran Palastkomplex und dem Golestan Palast, wo wir erstmals in die Geschichte des Iran eingeführt werden. Wir schlender über den Niavaran Bazar und den Grand Bazar im Herzen der Stadt. Ein sehr lehrreicher und informativer Tag, welcher von einem Freund der Familie gesponsort wird. Pünktlich um 18:00Uhr fährt der Fahrer an der Haustür von Ahmed vor, wir bedanken uns für die professionelle und freundliche Stadttour und wünschen beiden einen schönen Feierabend. Entspannt packen wir unsere Sachen für den nächsten Tag, an dem wir uns von Saeedeh und Ahmed herzlich verabschieden, unsere chinesischen Visa abholen und an der Embassy zufällig auf Gabriel & Franchon und ein weiteres Radlerpäärchen treffen. Gemeinsam erfreuen wir uns über die ausgehändigten chinesischen Visa, bevor jeder wieder seinen geplanten Weg einschlägt.

Zurück mit dem Bus nach Salman Sharh, mit vielen Eindrücken, herzlichen Menschen aus dem lauten Stadttreiben und Geschenken, genießen wir die Ruhe, der etwas langsamer tickenden Zeit mit Nasim’s Familie. Nach dem Abendessen, beschließen wir der „I’m lazy“ Frau unsere 6000km Hängematte zu überlassen, Nasim ist voller Freude und gerührt! Eine gute Idee die Matte dabeigehabt zu haben! Wir drücken sie beide fest. Am Mittag des nächsten Tages verabschieden wir uns und sind gespannt ob Nasim und ihre Schwester den Falafel Laden in Istanbul finden, den wir ihr empfohlen habe, denn die beiden fliegen in die Türkei zum Urlaub machen.

 

English version:

07/21/2015 The first on tour birthday, Leonie turns 28. After having a birthday lunch at Nasim’s place, we go to Chalus together and make a booking for the bus to Teheran at the terminal. Little apart from all the hurly-burly, we lay eyes on both a lightly and a heavily packed travelling bike, a female cyclist from Malaysia and Sebastian, what a coincidence. The two of them take the bus two hours earlier and while waiting for our bus to leave, we are getting Sebastian a place to stay in Teheran. After the past days of rain, just in time with the end of the fasting period, the connecting road to the south of the capital was closed for 2 days because of floodings and landslips. That’s why lots of people on holidays, who were celebrating in the jungle, were bound to the coast now. Because of the traffic, our 176 kilometers bus ride takes nearly 9 hours. That’s not quite how Leonie has imagined her birthday to be like. By 00:30 we arrive at the bus terminal where Ahmed (our host) and Sebastian collect us. We can stay with Ahmed’s father for two days and nights, who – at age 87 – leaves a pretty vital and really likeable impression on us. Ahmed, the youngest one of the family, lives on the opposite side of the road together with his wife. His two sons are studying in India and the Netherlands. There’s a lot to do in Teheran. Early in the morning, we say goodbye to Sebastian, who leaves for the city looking for a bicycle case to fly to Kathmandu the following day. Together with Ahmed, we go to the Embassy of Turkmenistan first, and then make for the Embassy of Germany in the city centre. Because Ahmed has fixed appointments in another part of Teheran, we make the last part by foot and agree to meet up again in the afternoon. While getting there, we meet Fabian and Lisa from near Zurich, who travelled through South America by bike two years ago and pass this year’s holidays in Iran by train and bus. Nice to have met you 🙂 We leave 40$ at our embassy for the ‘letter of support’ and then go for a stroll through the Grand Bazar crossing hurrying crowds of people. Late in the afternoon, Leonie prepares the Applicationbattery for the Chinese visa and after a tiring and unsuccessful search for a cancelable flight, Ahmed tells us that his brother runs a travel-agency which gets our problem settled. We feel like being on cloud nine. What coincidence, what luck.

On the following morning, everything is ready for the filing. Nervously, we enter the embassy and meet Taneli from Finland who is being here for the third time within a week hoping for the official representatives’ OK. Tenseness grows about both him and us. Finally, everything turns out well and we pay the visa together in the bank on the opposite side. Taneli is well-prepared for everything and well-informed. He knows what the situation is like on the Pamir. There, as well, a landslip occurred last week. He points out to us that throughout the past weeks lots of travelers were rejected their Transit visa in Mashdad and asks for our backup plan. Because we are apparently short of a lot of dollars to map out flights or expensive backup routes around Turkmenistan, there is no backup plan. We had hoped to draw new money with our visa card at the international airport, but this option never seemed to have existed. Together, we are trying to come up with a solution. Maybe to ask arriving/departing air travelers from Germany for their dollars or to find a courier in a travelling forum online? Both of which sounds complicated and time-consuming. Suddenly, Taneli remembers that his friend Bert (28) from Belgium has entered the Iran with more than enough money and now prefers to take the roundabout route via Armenia, Azerbaijan (Baku) and the ferry to Kazakhstan to skip the Turkmens. After a short conversation with Bert, the four of us meet up in the city center where we are given a lush cash injection. Joyfully, he pats the poor Germans on their back. 🙂 Again, we feel like being favored by fortune. Thanks so much to both of you; we hope you are doing well. Merci beaucoup Bert. Kiitos paljon Taneli.

On going home, everything is settled now regarding the organization. Throughout the days left, we can stay with Ahmed and Saeedeh who take us to their friends Simin & Fasard for the weekend a little outside Teheran. We enjoy passing time under open air and having tasty food in a huge house with a view on green valleys and hilly surroundings. On the next evening, back in Teheran, Ahmed’s brother Mohammed prepared a family dinner. We find ourselves being part of the big family’s gathering as well and celebrate according to Iranian-international culture till the early morning having nice conversations, traditional music on the ‘Tar’ and extremely tasty food. It’s a short night again. At 10:00 our guiding tour including a driver starts taking us through the town to the still young historical spots of Teheran. Azra, a straight woman, guides us right to the Niavaran palace complex and the Golestan Palace where we are introduced to the history of the Iran for the first time. We are strolling through both the Niavaran and the Grand Bazar in the heart of the town having an informative day sponsored by a friend of the family. At 18:00 on the hour mark the driver pulls over in front of Ahmed’s house; we say thanks for the professional and kind tour through the town and wish both of them a nice evening. Relaxed, we pack our bags for the following day, on which we warmly say goodbye to Saeedeh and Ahmed, pick up our Chinese visa and run into Gabriel & Franchon and another cycling couple at the embassy. Before everyone gets back onto his planned way, we are happy about the Chinese visa given to all of us together.

Back in Salman Sharh by bus with lots of impressions, loving people from the loud and busy town and gifts, we enjoy the silence of the little more slowly moving time with Nasim’s family. After dinner, we decide on leaving our 6000 kilometers hammock to the ‘I’m lazy’ lady. Nasim is deeply happy and moved. What a good idea to have had the hammock along. We give warm hugs to both of them. In the afternoon the next day, we say goodbye and are curious about whether or not Nasim and her sister find the falafel shop in Istanbul – where the two of them are going to on holidays – which we have recommended.

Bazargan – Salman Sharh (11.07. – 20.07.)

Es ist 11:00 Uhr, wie besprochen passiert uns in diesem Augenblick die iranische Bergsteigergruppe inklusive Keivan, die auf dem Heimweg sind. Gemeinsam erreichen wir den Checkpoint, müssen unsere türkischen Ausreisestempel, samt des iranischen Visa vorweisen, dann ein weiterer Schalter hinter einem Gittertor, welches wir mit zwei Lieferwagen und einem deutschen Endurofahrer passieren. Nach der Aufregung eines Schusswaffenfundes im Handschuhfach des kurdischen Transporters, rammt uns der Beamte den Einreisestempel mit Wucht in den Pass! Glücklich auf iranischem Boden zu stehen, geht es voller Freude hinunter ins Tal, wo uns Keivan die ersten Dollar zu einem guten Kurs wechselt, wir in alle Ecken des Landes eingeladen werden und 15km später bei Familie Soleimany im Wohnzimmer willkommen geheißen werden. Die Familie hat Spaß mit uns, Sara (17) spricht exzellentes Englisch, Mama (Parvane) und Papa (Ismail) können dem Englischen gut folgen. Es gibt eine Fülle von Snacks, kalte Getränke, zwischendurch Chai und eine Menge zu erzählen und zu fragen. Abends geht es mit dem Auto durch Mako, auf der Suche nach einem radfahrtauglichen „Kittel“, der im besten Fall aus Baumwolle sein sollte. Keine Chance! Durch enge, steile Gassen manövriert uns Keivan zum historischen Spot unterhalb eines gigantischen Felsüberhangs, der die im Tal liegende Stadt zu überspannen scheint! Keivan kommt oft hier her, sei es zum Klettern, Picknicken, oder um eine Möglichkeit zu finden, wie er in die Felshöhle ca. 48m oberhalb von ihm gelangen könnte, in der er eine große Menge Gold vermutet. Über schummrig beleuchtete Straßen, auf denen die Iraner ganz eigene Regeln haben geht es mit Schwung zum Abendessen. Im Innenhof auf der Terrasse, die mit Teppichen ausgelegt ist, isst die Familie mit uns auf dem Boden sitzend. Kimiya, Keivans älteste Schwester arbeitet als Lehrerin ihr Mann hat eine Waschanlage für große Trucks. Wir fühlen uns wie zu Hause, der Abend, die Menschen, das Essen! Köstlich! Am nächsten Morgen verabschieden wir uns mit zwei fossilen Steinen im Gepäck, mit geeignetem Oberteil von Sara und der von Parvane geflickten Radhose. In Mako’s Downtown organisiert uns Keivan eine Irancell SIM-Card, Kuchen und leckere Fladen, dann drücken wir ihn zum letzten Mal und versprechen ihm gut auf unsere Steine aufzupassen. Ring Ring! Khodahafez!

Der zweite Tag im Iran, wir beide können es noch immer kaum glauben. Weit hinter Mako, als die Straße an Gefälle verliert ist es 38°C, Mittag und in einer Baumplantage rasten, schwitzen und hecheln wir durch den Nachmittag, träumen von dem Gefühl des Frierens und schieben uns eine Aprikose nach der anderen zwischen die Backen 🙂 Gerade ist Hochsaison, selten haben wir so leckeres Obst genascht. Am Abend mit Wasserreserven von einem Restaurant an der Straße, an der wir zum ersten Mal einen Chai bezahlen mussten, finden wir in hügeliger Steppe einen ruhigen Zeltplatz und entscheiden am nächsten Morgen um sechs Uhr aufzustehen, um uns nicht wieder, wie an diesem Tag zu sehr zu toasten.

Heutige Tagesetappe ist Marand. Der Tag besteht ab frühem Vormittag im Wesentlichen darin, den Kopf mit einem getränkten Tuch zu kühlen und ausreichend Wasser zur Verfügung zu haben. Es geht schnell voran, vorbei an Aprikosen-, Kirchbaum- und Melonenplantagen. Über Straßen die nicht zum Rasten einladen, da weit und breit kein Schatten auszumachen ist. Einzig eine überdachte Bushaltestelle lässt uns mit den Kids aus dem gegenüberliegenden Dorf eine kurze Pause einlegen, in der einer der Jungs unsere Flaschen auffüllt. Noch einmal stoppen wir im Schatten einer Garage in der Obst gelagert wird, die wir dann mit reichlich Aprikosen und Kirchen verlassen, die uns einer der Jungs in die Taschen füllt, dann erreichen wir Marand. Es ist Nachmittag, heißer als gestern, und 116km liegen hinter uns. In Marand kommt uns Akbar bereits auf dem Fahrrad entgegen, drahtig sportlich, empfängt er seit Jahren Fernradreisende auf dem Weg der Seidenstraße. Er trägt ein T-shirt mit der Aufschrift: Warm Shower/a platform for hosting travellers by bike. In seinem Laden der in kleinem Umfang aber gezielt alle Grundprodukte abdeckt, herrscht quirliger Betrieb. Wir sind Radreisende 617 und 618, seit Akbar Radreisende empfängt. Die Marander Bürger wissen, hier gibt‘s immer was zu erzählen und Neues zu sehen und einen Fladen und etwas von Diesem und Jenem kann man immer gebrauchen. Beate wird sich bestimmt an die Atmosphäre erinnern! Ich bin mir sicher 😉 Die Bilder von euch Beiden und der größeren Gruppe hatten wir schnell gefunden! Im Laden sollen wir uns nehmen, was wir brauchen, der erste Griff geht zu kühlem Saft und Fladen. Kauend und klebend vor Schweiß fährt unser System gerade auf Ruhemodus als ein kleiner, lauter, hektischer und extrem schnell englisch sprechender Mann uns seine Idee aufdrängt ihn durch die Stadt zu begleiten, um einen Überblick zu bekommen. Unser „Jaein!“ wird als „Ja!“ interpretiert und es folgt eine 2 1/2 stündige One-Man-Show in der wir mehr das Gefühl haben, das wir all seinen Freunden in der Stadt präsentiert werden und er sie stets dazu drängt ein paar Sätze auf englisch zu sprechen. Wortdichte und Schrittdichte sind gleich, wir marschieren mit müden Beinen hinterher, zum Ende zeigt er uns diverse Fotos von ihm und Reisenden, die vermutlich das gleiche durchleben mussten, auch ein Selfi mit uns, geht klar! Dann geht‘s zurück, zwei Ecken vor Akbas Supermarkt fragt er uns, was uns der Guidetrip wert sei, erschöpft und verblüfft, gestehen wir das wir kein Geld dabei haben und uns die Frage komisch kommt. Auf der Stelle bedankt er sich und muss plötzlich gehen, da sein Geschäft wartet. Zerstört lassen wir uns in Akbas Laden auf die Stühle plumsen und trinken den restlichen Saft.

Kurze Zeit später taucht ein Doktor der Forstwissenschaften im Laden auf, der mit uns über Freiburg ins Gespräch kommt, da er 2011 einen Kollegen am Freiburger Institut besuchte, er läd uns ein für uns am Abend in der kleinen Hütte von Mohammedreza auf den Bergen außerhalb der Stadt zu kochen. Wir packen unsere Sachen und fahren mit Mohammedreza, der mit seinem Auto auf uns wartet 30 Minuten Richtung Osten, auf einen Hügel mit wunderbarem Blick auf die Stadt und ins Umland. Der Weg zum „Cottage“ ist im letzten Streckenabschnitt nur im Rückwärtsgang über einen steilen Stich zu bewältigen. Das bestätigen später auch Akbar, der Doc und ein weiterer Freund, die gegen 23:00 Uhr, zu unserer Überraschung erst die Zutaten für das Abendessen anfangen vorzubereiten und sich in heller Freude über den speziellen Ritt durch die Berge immer wieder grölend ablenken lassen. Gegen 23:30 erhält Akbar zusätzlich die Meldung, von drei weiteren Radlern, die in der Dunkelheit auf dem Weg zu ihm sind! Unser Hunger übersteigt an irgendeiner Stelle den Zenit, sodass wir gegen 00:30 kaum in der Lage sind wirklich ausreichend zu essen. Der Tag war letztlich kalorisch nur mangelhaft durchdacht. Zum Glück hatten wir die 2kg Aprikosen, Kirchen und vier kleine Fladenbrote mitgenommen. Sonst hätte die entspannte Atmosphäre deutlich mehr gelitten. Zurück in Marand treffen wir am Morgen in Akbars Laden Bard und Sebastian, die nächtlichen Radler. Da es schon nach 10:00 Uhr ist verabreden wir uns auf dem Freecamping in Tabriz, um uns dort in Ruhe austauschen zu können.

75km, davon die ersten 10km bergauf, so die Ansage aus Marand. Drei Stunden, wenn man auf Druck fährt, Vier bis fünf wenn man chillt. Wir erreichen Tabriz und den Camping, der wirklich schön ist abends um kurz vor sieben. Froh einen Platz zu haben, an dem man für sich sein kann. Mit Dusche, Toilette und Stromanschluss erholen wir uns von massivem Verkehrsaufkommen, speziell 20km vor der Stadt und einem hitzigen Tag mit dunklen schweren Abgaswolken, immer dann, wenn ein alter Truck zwei Radler mit Gangwechsel überholt! Im Stehen rückwärts auf den Rücken ins Gras fallen lassen! Der Rasen auf dem Camping ist so dick wie eine Matratze, außergewöhnlich kräftig und abfedernd, wir versinken in der Wiese als wir über Halmspitzen Monika und Bard (aus Polen) mit Sebastian (aus Rumänien) die Räder über die Wiese schieben sehen. Sebastian ist minimalistisch unterwegs und hat sich nach ca. 2 Monaten von einigen Sachen bereits getrennt, Monika & Bard sind bis in die letzte Ritze ausgestattet und sind auf derselben Route wie die Weltradlenker unterwegs. Zu fünft teilen wir für den Abend das private Gefühl, die beiden Jungs organisieren die Reparatur des Gepäckträgers, Leonie und ich kaufen für das Abendessen ein, mit tatkräftiger Unterstützung eines Kunden, den wir im Radladen treffen, der uns auf eigenem Rad zum nächsten Gemüseladen, zum Allerleiladen und zum MTN Irancell Store bringt. Denn die aus Mako stammende SIM-Card scheint seitens des Netzanbieters nicht entsperrt worden zu sein. Nach andauernden Erklärungsversuchen, gesellt sich aus dem Frisörsalon nebenan ein älterer Mann zum Geschehen dazu. Er klärt die wesentlichen Problempunkte, die Dame von MTN versichert, das die SIM-Card morgen bereit steht! Wir fragen nach einem Internetpaket spontan werden wir vom selben Herrn der gut Deutsch und noch besser Englisch spricht eingeladen und erfahren von ihm das er in Tabriz Inhaber einer Schokoladenfabrik ist (mmmhhh…Schoki). Wir bedanken uns herzlich, geben ihm unsere Travel Business Card mit kurzer Beschreibung, dann setzt er sich zurück auf den Stuhl des Coiffeur und wir zurück auf die weiche Wiese auf der fünf Reisende zusammen zu Abend essen.

Spätestens beim Frühstück merken wir, wir sind deutlich weniger durchplant als Bard & Monika, dass wir nur eine begrenzte Aufenthaltsdauer von zunächst 30 Tagen haben spüren wir noch nicht. Die Beiden allerdings haben einen richtigen Zeitplan wissen genau, dass sie heute den Zug nach Teheran nehmen, dort die Visa für Turkmenistan und China beantragen und während der Bearbeitungszeit die Räder bei ihrem Host stehen lassen um mit dem Bus nach Isfahan und Yazd zu fahren. Der Vormittag plätschert dahin, wieder MTN Store, diesmal checken wir nicht wie wir das Internet in Gang bekommen, dann Wechselstube und schließlich Bazar. Spontan entscheiden wir uns mit Sebastian einen Bus in das 180km entfernte Miyaneh zu nehmen um die Mittagshitze zu überbrücken und das Dröhnen der Trucks zu skippen und im Abend ein Stück in die Berge Richtung Kaspisches Meer zu fahren. Als wir dort aussteigen, ähnelt das Gefühl einer Trockensauna. Den Temperaturkontrast noch nicht überwunden, beladen wir die Räder und werden bereits zeitgleich von dem ersten Passanten gefragt, aus welchem Land wir kommen, wir antworten bereitwillig, dann startet er seine Questionattak. Eine Liste an persönlichen Fragen, die er und die Dazugesellten eine nach der anderen abhaken. Als ich die Dummheit begehe, auf die Frage, ob ich an Gott glaube, mit nein zu antworten, habe ich den Salat! Sein englisch wird bissiger und er fängt an mir richtig auf die Pelle zu rücken. Mit Mühe und Not können wir uns aus der Situation winden, satteln die Räder, kaufen um die nächste Ecke ein und verlassen diesen hitzigen Ort der Diskussion. Wir biegen links ab, verlassen die Hauptroute nach Teheran und folgen dem Tal ins Gebirge. Langsam beruhige ich mich wieder und mache ebenfalls ein Häckchen hinter den Patzer. Der Fluss im Tal führt trotz der extrem trockenen Hitze Wasser, was auch den Anbau von Gemüse, Obst und Reis erklärt. Einen Schlafplatz finden wir unter Bäumen in einer Obstwiese, es gilt schnell zu sein, Abendessen vorbereiten, Zelt stellen. Wenn es dämmert sind wir uns sicher werden wir eine Massivattak, diesmal von Moskitos erleben! Sebastian ist da entspannter, unser Plan scheitert im Moment als uns zwei Bauern erblicken, kurz abklären wer wir sind und von wo wir kommen! Dann sollen wir ihnen auf das Feld in Blickrichtung folgen. Leonie bleibt zurück in der Hoffnung den Plan zu retten, Sebastian und ich kommen nach einer Stunde mit ca. 8kg Gurken und paar scharfen Paprika zurück. Kurz noch verweilen die Beiden in sich ruhenden Iraner in unserem Kreis, als wir ihr Angebot ablehnen zu ihnen nach Hause zu kommen, schwärmen die ersten Wolken aus Moskito über uns und die Beiden treten den Heimweg an. Die Nacht ist vergleichbar mit Erzurum nur ohne nasses Handtuch. Mit dampfendem Essen simulieren wir den ersten Dahl-Saunaaufguss des Abends im Innenzelt und killen gleichzeitig in allen Ecken die Stecher! Gleich neben uns liegt Sebastian im winddurchlässigen Zelt und erklärt sich einverstanden, um 05:30 des nächsten morgens aufzustehen.

Mit dem bepacktem Rad auf der Straße, den rechten Fuß auf dem Pedal, mit Blick auf die Uhr 07:05, nie waren wir so früh auch dem Rad. Zu dritt starten wir in den ersten Passanstieg, 15% steil, 18km lang, erst Asphalt, dann Schlaglochpiste, dann Dirtroad. Nach 5km rasten wir an einem Brunnen, füllen Wasser auf und verfolgen interessiert die anderen Reisenden die mit Traktor, Moped, Familienkutsche oder kleinen Trucks diese extrem schlechte Straße befahren. Um 11:00 Uhr sind wir oben! 7kg Gurken und eine halbe Melone inklusive. Leonie und ich müssen etwas essen, Sebastian möchte heute ans Meer fahren, weshalb wir uns von ihm verabschieden. Am Freitag den 24.07. sollte er in Teheran sein, da er am Morgen drauf einen Flug nach Katmandu reserviert hat. Nach sechs Gurken mit Salz und Wassermelone geht es bergab und gleich wieder bergauf. Noch ist es leicht bewölkt und nicht so brüllend heiß. An der Straße läd uns eine Familie zum Picknicken ein, Wassermelone während die Sonne richtig einheizt. Als wir in Givi ankommen, sind wir beide ausreichend erledigt, wir werden das Gefühl nicht los, das wir einen Umweg gefahren sind. Mit Gemüse, Sojahack und einer vollen Flasche Sprit, die eine eigene Geschichte hat, geht es weitere quälende 8km durch steiles Gelände. Unterwegs ist Leonie am Ende ihrer Kräfte und Willenskraft, ein paar Tränen werden verdrückt, dann geht es mit böser Miene weiter, natürlich bin ich schuld an erneuten bergauf Passagen und der viel zu anstrengenden Tagesetappe. Beim Abendessen ist wieder gute Stimmung und frisch geduscht ist doch alles halb so schlimm.

In Khalkhal kaufen wir für den uns bevorstehenden letzten Anstieg ein und werden am Ortsausgang zum zweiten Mal im Iran nach unseren Pässen, sogar nach den Originalen gefragt! Nach 10km, beendet der dichte Nebel die heutige Etappe. Zum Glück werden wir in diesem Moment von einem der charakteristischen blauen Pickup-Trucks auf den Pass transportiert. Die Räder liegen gut gesichert, mit ihrer Eigenschwere für die Hälfte der Strecke im Heu, die Sicht liegt bei 15 Metern die Straße ist extrem kurvig und desolat, trotzdem überholt unser Fahrer, ein sympathischer Typ an der ein oder anderen Stelle. Nach einem kurzen Stopp liegen die Räder auf der blanken Ladefläche und das Heu im trockenen Unterstand an der Straße. Zu viert im Führerhaus geht es weiter bis zum Pass, an dem wir mit Händen und Füßen klar machen, dass wir hier aussteigen wollen. Ein leibechter Iraner klärt die Situation mit sauberem englisch und läd uns zum Mittagessen ein. Familie Torabi ist für die letzten Tage des Ramadan in die Berge gefahren um sich der Hitze des Südens zu entziehen und im „Dschungel“ das Ende der Fastenzeit zu feiern. Für ein paar Tage wohnen Hasan, Zamzam, Cousin, Mutter, Vater und Tanten in einer einfachen Hütte. In der Nachbarschaft, ebenfalls Gäste in Zelten oder Hütten. Es gibt Kebab mit Reis, Tomatenspieße, Paprika und dazu Doogh, das iranisch Yoghurt Getränk. Wir erzählen und erklären, stets auf gutem Englisch, es wird Abend, wir entschließen uns zu bleiben. In zwei Autos fahren wir in der Dämmerung dem Ende des Ramadan und dem kaspischen Meer entgegen. Zwei Stunden Fahrt, um 23:45 erreichen wir eine belebte Picknickarea, alle Iraner feiern und campen, Zelt an Zelt zwischen Bäumen, Strand und Meer. Auch wir breiten die Picknickdecke am Strand aus, Essen eine riesige Wassermelone und fahren 40min später die 40km zurück in den Dschungel. 2500m über Null schlafen wir unter teils undichter LKW-Plane nachdem wir heimlich im Verborgenen, nackt, zwischen Zelt und Dschungel duschen und um 02:00 Uhr endlich die Radklamotten ablegen, die wir die ganze Zeit über anhatten.

Teils im Nebel geht es am Morgen 30km hinunter auf 28 Meter unter Null, von 18 Grad steigt die Temperatur auf knappe 30 Grad, inkl. 70% Luftfeuchtigkeit. Wir nehmen Fahrt auf und brausen über den Highway Richtung Rasht, links von uns liegt das kaspische Meer, dann erstreckt sich eine Flache Ebene bis zu den Bergen des im Süden liegenden Dschungels. Wir durchqueren Reisfelder, kleinere Wälder, Plantagen und sind fasziniert über die Gelassenheit der Iraner, an jeder Ecke entlang der Straße ausgiebig zu picknicken. An diesem Bild wird sich, außer dem Ausmaß der Stahlbetonbauten seitens der Straße, welches progredient zunimmt, die nächsten zwei Tage nichts ändern. Zur Abwechslung fängt es mittags in Schüben an zu regnen, am Nachmittag Dauerregen, für eine Stunde wärmen wir uns in einer Bäckerei und dippen unser frisches Brot in Honig. Klatsch nass, mit Schrumpelfüßen radeln wir bis in den Abend und campen versteckt, hinter einer Tee- und Wasserpfeifenstube im lichten Wald, zwischen Melonen- und Gemüsefeldern. Bei tropischem Flair schweißen wir durch die Nacht.

Frühstücken in einer kleinen Regenpause, dann rein in die wässrigen Klamotten, Räder satteln und weiter durch den Regen, der an diesem Tag kontinuierlich zunimmt. Zum ersten Mal gönnen wir uns ein Mittagessen, bestehend aus Reis, 5 Tomaten und halb durchgegrillten Beinchen, etwas Salat, Lavash, Joghurt und Kräutern. Daraufhin beschließen wir, es bei dem einen Mal zu belassen und radeln weiter. Mit der Hoffnung das der Regen gegen Abend nachlässt, um entspannt nach einem geeignetem Zeltplatz zu suchen, bleibt der Blick auf die Straße gerichtet, während dessen die Quantität zunimmt und sich das Wasser auf der Straße weiter ausbreitet. Um 18:00Uhr prasselt der Regen wie eine stramme Dusche auf uns nieder und die bereits gequollene Stimmung droht vollends davon zu schwimmen. 60 km bis zum Eco Café Vayo in Salman Shahr, welches wir uns als trockene Bleibe erhoffen. Der Kontakt stammt von Ceyhun aus Istanbul, 110km liegen hinter uns, Leonie fällt es verständlicherweise nicht leicht sich zu motivieren, zumal nicht sicher ist, ob wir die Lokation auf Anhieb finden. Bis in die Dämmerung quälen wir uns durch Verkehr der größtenteils unbeleuchtet, unbeeindruckt vom Monsunregen an uns vorbeiballert und regelmäßig voller Freude hupend an uns heranfährt, um kurz zu Fragen was abgeht?! Zunehmend wird es schwieriger Speedbumps, Pistenlöcher und den Verkehr an engen Passagen, meist vor Brücken, richtig einzuschätzen. Es ist bereits dunkel als in unmittelbarer Nähe Blitze abgehen und das vibrierende Donnergrollen uns zum Anhalten zwingt. In einem Restaurant, das an diesem Abend keinen einzigen Gast bewirtet, trinken wir jeder einen Chai, dann kaspere ich im dunklen Regen an der Straße herum, um für die letzten 18km einen sicheren Lift zu bewerben! „Hotel? Hotel?“ Fragen die Jungs im Trockenen als ich nach 10min zurückkomme, Nissan Truck, Pickup, Salman Sharh, brum, brum! So ungefähr ist meine Erklärung der Lage um 21:17, telefonisch wird ein Transportangebot eingeholt: 800.000 Rial, irgendwie die letzte Energiespritze, um doch wieder auf die Räder zu steigen und den Tag zu Ende zu bringen.

Auf dem Asphalt die gleiche Situation wie zuvor, der Pegel steigt, Asphalt sehen wir nur noch auf dem linken Fahrstreifen. Froh um unser super helles Licht kurven wir mit konzentriertem Blick in den Rückspiegel um die Straßengewässer, werden noch einige Male bejubelt und von Fahrwasserwellen bis Kniehöhe geflutet. 22:13Uhr erreichen wir Salman Sharh, glücklicherweise in der Nähe eines Internetcafés, in dem ein fähiger junger Bursche mit VPN und Googletranslate umzugehen weiß. Wir machen klar, dass wir zur Nature school möchten, das es einen Zusammenhang mit dem Eco Café Vayo geben muss und wir dort Freunde haben, die uns hoffentlich aufnehmen. Zusammen mit dem Burschen und seinem Vater steige ich in deren Auto, inklusive dem Eindruck, dass wir zur Nature school fahren. Im ZikZak geht es durch die Stadt, kurz halten wir an einer Schule, fahren aber im ZickZack weiter. Angestrengt versuche ich mir jede Kreuzung mit markanten Ecken zu merken, um später den gleichen Weg mit dem Rad zu finden. Während der Vater telefoniert, ratsche ich mit seinem Sohn, der auf der Rückbank sitzt, bis plötzlich das Handy an meinem Ohr hängt und eine Frauenstimme auf Englisch fragt: „Do you wanna stay in my home this night?“ Ich versuche mich zu sortieren, bin ich doch etwas verballert vom langen Tag und antworte: „Yes, this would be great! We know about the nature school from Shokoufeh, I hope she told you some days ago, that we’ll arrive somewhen?“

„I don’t understand! Do you wanna stay in my home?“, reagiert die Gegenseite. „OK“, ich willige ein und erkläre ihr kurz die Rahmeninfos: Zwei nasse Radreisende ausgebrannt, evtl. zur Hälfte bereits im Halbschlaf irgendwo an der Hauptstraße am aufquellen. Ich gebe das Mobiltelefon zurück, unsicher ob alles verstanden wurde. Nach zwei Minuten halten wir in einer engen Gasse vor einem großen Eisentor, das sich auch gleich öffnet. Eine Nature school ist nicht in Sicht. Die junge Frau bittet mich herein und zeigt mir den Weg, zu dem Zimmer das sie mir anbieten kann. Ich denke mir: Egal! Hauptsache trocken! Ohne Stress für die junge Frau! (Please only if you feel comfortable!?) Sie nickt und scheucht mich: „Go! Take your bike and your wife and come back!“ Klare Ansage von einer Frau im Iran. Wir steigen zurück ins Auto und nach zwei Häuserecken, sind wir wieder am Ausgangspunkt. Leonie schläft bereits im Stuhl vor dem Bildschirm, an dem ich sie zurückgelassen hatte, total verdattert kommt sie zu sich, als ich ihr erzähle, das alles anders kam als gedacht! 🙂 Als die Räder hinter der großen Stahltür stehen, die Toshak (Matratzen) mit Kissen auf dem Boden im trockenen liegen, Kleider, Brot und Equipment an der Leine hängen und uns Nasim (25) Chai und eine heiße Suppe bringt ist es 00:13Uhr. Shab bekheyr, Nasim und wir beide fallen in rehabilitierenden Schlaf, während es draußen intensiv weiter regnet.

Am nächsten Morgen wachen wir aus Gewohnheit früh auf. Keine Frage: es regnet, mit reichlich Hunger frühstücken wir unser angetrocknetes Brot und Reste von gestern. Als Nasim um 10:00 nochmals Frühstück auf einem riesigen Tablett serviert, sind wir gut gestopft und grübeln, ob wir uns in einem Gästehaus befinden, in das wir gestern Abend hilflos verfrachtet worden sind!? Mit diesen Gedanken, welche sich später in sonnigen Tagesabschnitten auflösen, waschen, spülen und sortieren wir unsere Sachen, um später die Lokation zu wechseln, sobald wir das Eco Café Vayo oder die Naturschule ausfindig gemacht haben. Als wir in der Wohnküche des Hauses Nasim nach dem Weg fragen, stellt sich auch heraus wo wir eigentlich gelandet sind.

Der Vater mit Sohn im Internetcafé, Nasims Bruder samt Neffen, können sich des Abends keinen Reim auf die Naturschule machen. Sie fragen bei der erst besten Schule, die zufällig eine Veranstaltung des Abends präsentiert, ob zwei nasse Radreisende bekannt sind und hier nächtigen können. Uns kennt natürlich keiner! Scheinbar verwirrt, ruft er nun Nasim an, von der er weiß, dass sie des Englischen fähig ist und die sich nach der Informationslage bereit erklärt uns aufzunehmen, ohne zu verstehen, dass ich dem Angebot zustimme, im Glauben mit einer Frau aus der Naturschule zu sprechen. Typisch iranisch denken wir uns und müssen breit grinsen J Nasim wohnt zusammen mit ihrer Mutter Yamilä, ihrer Schwester Farina und Farinas Sohn Ali in einem verwinkelten Haus mit wunderschönem Innenhof mit Zugang zum Waschhaus, Balkon, Empore und einer separierten Wohnung, in der wir Platz gefunden haben, die in der Regel Ali benutzt. Nasims Papa war Schreiner, was auch der Look des Hauses erahnen lässt, die beiden Geschwister arbeiten im Hairstyle um die Ecke und Ali studiert Außenhandel. Es dauert nicht lange, wir fühlen uns zu Hause und sollen bleiben.

Als wir nachmittags im Eco Café Vayo sitzen und den ersten Kaffee mit Milchschaum seit Monaten trinken, amüsieren wir uns zusammen mit Shirin und ihrem Mann über das zuvor erlebte. Die beiden haben Teheran vor kurzem verlassen und starten hier seit einiger Zeit eine Eco-Culture. Abends spazieren wir mit den beiden Schwestern am Strand entlang und essen auf dem Rückweg Falaffelsandwich 😉 mit Ketchup und Mayo.