serbische Grenze Dávod – Erdut (23.-25.04.)

Reise in Vergangenheit und Zukunft:

„Passport!“ bekommen wir durch das kleine Grenzhüttchen zu hören, die ID-Card reicht auch. Wir sind in Serbien nahe des Dreiländerecks Ungarn, Kroatien und Serbien. Zusammen haben wir beschlossen am frühen Abend zu Kochen, aus Ungarn haben wir noch reichlich Proviant, zum Glück, denn serbische Dinar haben wir noch keine. Es zieht uns wieder ans Donauufer, unsere Offlinekarte zeigt uns dort eine Variante des EuroVelo 6, parallel zur Donau. Der Weg führt uns dicht an den Grenzposten Serbien – Kroatien und uns wird klar, dass der Radweg genau zwischen beiden Grenzposten verläuft, wir auf halben Weg nach Kroatien, vor der Donauquerung irgendwie nach links abbiegen müssen. Natürlich sind wir blutjunge Grenzgänger, das Gefühl vor einer von Menschen gemachten Grenze mit bepackten Rädern zu stehen, dazu das Halbwissen über die Geschichte dieser Region in den 90er Jahren. Ein komisches Gefühl! Sachte rollen wir auf den großgewachsenen Serben der an der Grenze steht zu, dabei wollten wir in jeder Form sicher wirken… Alles Übungssache, tröste ich mich in Gedanken. Wir schildern dann unser Problem auf Englisch, nach Einschätzung der Grenzposten ist der Weg vorhanden aber in miserablem Zustand, Camping Gear ist vorhanden? Wir nicken, wir dürfen fahren! Nem probléma!

Auf der serbischen Donauseite kommen wir gerade in Fahrt, da hält uns ein Auto mit Anhänger an, der Fahrer ein rüstiger, mit Bart verschmitzt grinsender Mann Anfang sechzig, der uns mit schneller Zunge durch die Fensterscheibe seines ebenfalls ca.60 jährigen Gespanns auf Deutsch fragt, ob wir eine Pause machen wollen, einen Kaffee trinken möchten, ob wir bereits einen Platz zum Übernachten haben, evtl. einen brauchen? Wir sind flexibel antworten wir erst etwas zögerlich. Unser beider Bauchgefühl entscheidet zu bleiben und die Nacht bei Ivan einem Erdenmensch mit 20jähriger Vergangenheit in Freiburg im Breisgau zu bleiben. Ivan lebt seit 4 Jahren in einem Wochenendhaus an der Donau, das bei Hochwasser stets das Untergeschoss flutet, es gibt weder fließendes Wasser, noch Stromanschluss. Er lebt allein…nicht ganz zwei Hunde und zeitweise bis zu 8 Katzen leben mit ihm im Garten. „Alles ist wie es ist!“ sagt er, er wusste ja nicht, dass wir kommen. Es gibt im ersten Stock zwei Betten, wir könnten es nicht besser haben! Wir kochen zusammen Nudeln mit Kartoffelstückchen, gedünsteten Zwiebeln und Paprikapulver. Dazu gibt es in Essig eingelegtes scharfes Gemüse. Um 20.00 flimmert die Tagesschau über die Röhre, die über eine Solarzelle und Batterie für zwei Stunden funktionsfähig ist, danach ist der serbokroatische Krieg Thema, der Abend endet mit gezupften Klängen eines traditionellen Seiteninstruments in lockerer Stimmung. Wir schlafen und frühstücken wie Könige und setzen unsere Fahrt am frühen Morgen fort. Liberland (www.liberland.org) liegt uns knappe zwei Kilometer am anderen Ufer gegenüber.

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