Bitola – Thessaloniki (20.05. – 24.05.)

Interessiert fragt der Beamte in der griechischen Kabine, wo die Reise denn enden soll? Es wird kurz erklärt! Er wünscht uns viel Glück, eben pedalieren wir nach Pappagiannis einem kleinen Dorf. Am Ortseingang fragen wir an einer Tankstelle nach Leitungswasser und einem Liter Benzin95. Mit dem Wasser scheint irgendetwas nicht in Ordnung zu sein. Wir sollen Wasser aus PET Flaschen abfüllen. Das machen wir, der Liter Sprit scheint dann ebenfalls problematisch, die Zapfsäule zeigt auf dem Display Error. Es vergeht eine Stunde und plötzlich ist unsere Flasche randvoll! Woher auch immer. Wir werden herzlich und lachend mit wilden Gesten verabschiedet und dürfen nichts zahlen. Auf dem nahegelegenen Hügel nahe einer orthodoxen Kirche schlagen wir unser Zelt auf, es ist die Woche vor Pfingsten, die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag im Dorf laufen die letzten Vorbereitungen für den anstehenden orthodoxen Feiertag, als wir unsere Küche aufbauen sehen wir aus dem Tal einen beleibten Radfahrer den Hang empor radeln. Keuchend pausiert er unter einer Laube etwas entfernt von uns, bis er mit qualmender Zigarette den Kontakt sucht und findet. Die Feier im Dorf ist ihm zu anstrengen, da fährt er schon mal ins Freie. Er hat lange in Erlangen gewohnt aus welcher Ecke wir kommen würden, sind die Inhalte der ersten Sätze, die auf deutsch gesprochen werden. Wir haben einen super Platz, die Aussicht herrlich, ganz nach unserem Geschmack, wir sollen uns vor dem Bär hüten mahnt er uns einige Male und rollt über die Schotterpiste auf den Dancefloor der bis tief in die Nacht auf der Kuppe zu hören ist (traditionell griechisch).

An einem kleinen Lokal im Bergdorf Kella machen wir am nächsten Tag Pause im Schatten und während wir Äpfel essen und frisches Bergquellwasser trinken, fährt an uns ein Expeditions-LKW mit Freiburger Kennzeichen vorbei. Wieder Freiburger, denken wir uns kurz und radeln die Straße hinunter auf dem Weg nach Odessa. Die Landschaft verliert ihren Charme in mitten der riesigen Obstplantagen und erst kurz vor Odessa und in der Stadt selbst kehrt der Charme der Griechen zurück. Im Regen verlassen wir die Stadt an den Wasserfällen auf einer steilen Piste parallel zum stürzenden Wasser das uns zurück auf die uncharmante Hauptstraße führt und die Plantagen an uns vorbeifliegen lässt. Am Abend schlafen wir auf einem Fußballfeld aus vergangener Zeit, das Gras steht uns bis zur Hüfte. Umkleiden, Vereinsheim und Stadion sind dem Zerfall freigegeben. Auf den obersten Sitzplätzen mit Blick auf den Rasen, entspannt sich der Rücken an der Lehne, sodass sich der Magen bis in die letzte Ecke füllen kann. Über ein stillgelegtes, brachliegendes Industriegebiet, in dem an einer einsamen Stelle ein Mann mit dickem Hammer Beton von einer Mauer klopft, nähern wir uns Thessaloniki. Reaktiv passt sich unser Fahrstil dem regionalen Stil der Vesperfahrer an und wir zirkeln uns an den Hafen der 500.000 Einwohner Stadt. Im 8. Stock schlafen wir bei Heracles und Dora, die seit 3 Wochen zusammen mit Anders, einem Schweden der deutsch, englisch und französisch spricht auf seine Ausrüstung warten, die er im Action Bike Club in der Stadt geordert hat. Nach den Standartfragen halten wir uns an Anders, da Heracles und Dora oft außer Haus sind und wir instinktiv einen Ansprechpartner suchen. Die Dachgeschosswohnung schwebt durchgängig im Marihuana Dunst. Alles geht, keinen stört´s! Am nächsten Tag haben wir uns mit Amélie verabredet, die zusammen mit drei Deutschen: Patrick, Sebastian und Florian im Hostel zwei Kilometer entfernt eingecheckt sind. Wir freuen uns Amélie wiederzusehen und so drücken wir sie herzlich als wir zusammen im Flur stehen. Im Anschluss bringt uns der Bus durch die hitzige Stadt hinaus zum Strand. An einer beschatteten Bank stehen drei flinke Räder, neben ihr gammeln die drei hitzigen, wortgewandten von der Sonne Gezeichneten, die wir einst im Zwischenraum von Albanien und Mazedonien trafen, mit Buch und Kirchsaft. Am Abend Treffen wir uns als sympathische Runde zum Pizza Essen und Bier trinken im Nachtleben der engen Gassen. Zudem findet unser überflüssiges Gepäck einen Direktflug nach Stuttgart und von dort den Weg in die Eschholz-WG die wir noch nicht informiert haben. Klar zum Abschied, einer von vielen, warum wird sich zeigen, gibt es Eis. Am nächsten Morgen fahren wir mit gepackten Rädern und einem Zusatzpacksack, Inhalt: „zurück nach Hause Equipment“ am Hostel vor, bedanken uns für den unkomplizierten Transfer, verabschieden uns ein zweites Mal und radeln in Erwartung die Stadt schnell hinter uns zu lassen Richtung Nordosten. Das wir dabei die Straße hoch auf den Hausberg gewählt haben, bekommt uns an diesem Tag gar nicht gut und Leonie noch weniger. Nach dem ersten Kilometer müssen wir im Schatten 10 Minuten rasten und nach dem Zweiten wieder und beim Dritten ist unser Wasser fast aufgebraucht und der Kreislauf nahe des Asphalts im Straßengraben. Leonie hätte auch die hoch rote Farbe im Gesicht verlassen, wären nicht die noch eben Verabschiedeten, die sich spontan und zufällig auf den gleichen Weg Richtung schöner Aussicht machten, in diesem Moment aufgetaucht. Winkend und entspannt, da ohne jegliches Gepäck, wird unsere aktuelle Verfassung auf einen Blick offensichtlich. Florian und Sebastian nutzen die Chance um ein Gefühl für unsere Reiseräder zu bekommen und plötzlich sind Leonie und ich beflügelt von der Leichtigkeit der Rennräder die wir für die gemeinsame Zeit als Tausch fahren dürfen. In einer urigen Kneipe am Fuße des letzten Anstiegs trennen wir uns endgültig. Die ersten Sprüche fallen, an welcher Ecke wir uns wohl wiedersehen! Leonie und ich rollen zurück um auf unsere ursprüngliche Route zu gelangen, die drei Gepäcklosen erklimmen den letzten Gipfel. Tatsächlich sehen wir die drei eine Stunde später wider, sie rauschen hoch konzentriert mit Blick auf die Straße an der Bäckerei vorbei, auf deren Parkplatz ich meine Bremsbacken tausche und Leonie Böreck mit Käse isst. Danke für den Spaß den wir mit Euch hatten! Wir haben uns für gemeinsames Radeln in Thailand verabredet, also sehen wir uns wieder!

  2 comments for “Bitola – Thessaloniki (20.05. – 24.05.)

  1. 9. Juni 2015 at 11:12

    Hallo Ihr Lieben,

    schwimmen im Hafenbecken von Thessaloniki eigentlich immer noch diese häßlichen großen Quallen.
    Annette und Jürgen wünschen Euch weiterhin schöne Begegnungen mit lieben Menschen.

    Grüße
    Jürgen

  2. Claus Basse
    2. Juni 2015 at 16:18

    Hallo Ihr Weltenbummler, das schreibt hier der Vater von Cornelia Martin aus Külz, die mir Eure Adresse gegeben hatte. Ich verfolge mit Aufmerksamkeit Eure Reiseberichte und bewundere Euren Mut !!!!!!!! Wünsche Euch weiterhin alles Gute, viele Erlebnisse, stabile Gesundheit und bis zum nächsten Mal,
    Claus Basse aus Baunatal bei Kassel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *