Cha Lo (Grenze) – Phong Na (11. – 14.01.)

 

Es ist nicht viel Betrieb am Einreiseschalter des vietnamesischen Checkpoints und der Beamte nimmt unsere Pässe gleich entgegen. Gut möglich, dass die Reisebusse in der laotischen Baustelle der Passstraße festsitzen, die wir ohne viel Zögern, trotz Gegenverkehrsphase zügig durchfahren hatten. Die Pässe kommen zurück und auf dem 3 Monatsvisa prangt ein roter, fetter Stempelabdruck „USED“! Am Ausgang steht eine Menschentraube, die noch eben im Bus saß. Wir wechseln Kip zu Dong und hoffen in spätestens zwei Tagen einem Geldautomaten zu passieren, denn weiter werden wir mit 130.000 Dong, umgerechnet fast 6$ nicht kommen. Wir machen uns keine Sorgen und lassen die bescheidene Passhöhe hinter uns. Wieder geht es auf- und abwärts, zur Mittagszeit verschwindet die Sonne langsam im Dunst, bei uns schwinden die Energiereserven. Es ist eine einsame Straße, Siedlungen die an der Straße liegen sind laotische Hütten in schäbiger Verfassung und dazu ohne Stelzen.

Meist besteht das Musterhaus aus drei Wänden, die das Haus seitlich und rückwandig schützen, die Fassade vorne zur Straße ist offen und bietet jedem/jeder den Blick auf den buddhistischen Schrein oder rustikale, schwere massive Tropenmöbel. Raumtrenner bestehen aus Vorhang oder verrückbarer Leichtbauwand, meist aus Bambus. Am späten Nachmittag ziehen schwerwiegende Wolken über die Kämme, ein Zeichen anzuhalten und nach einem Schlafplatz zu fragen, was sich bei den steilen Hängen nicht leicht gestaltet. In einer kleinen Siedlung oberhalb des Flusses, dem wir gefolgt sind, machen wir unsere Frage für einen Zeltplatz mit Händen und Füßen deutlich. Die Skepsis überwindet ein älterer Herr, der uns freudig herbeiwinkt und auf die Wiese hinter seinem Haus deutet. Zelt stellen, Küche auspacken, Wasser aufstellen, im Fluss steil unter uns waschen und den linken FlipFlop bei der Zubereitung der Erdnüsse flicken. Alles eine Art Routine, genau wie die paar Kids und Erwachsenen die gespannt zuschauen, welche Variante der FlipFlop Reparatur ich in der Lage bin umzusetzen. Neu sind die Vietnamesen und deren Idee von Privatsphäre, fremden Eigentums und dem persönlichen Qualitätscheck. Unverblümt wird mit jedem Material oder Equipment auf Körperfühlung gegangen und auf Strapazierfähigkeit gezupfelt oder gedrückt. Nervös macht uns meist die Inspektion unseres Zeltes, wenn glühende Zigaretten dicht am Zeltgewebe vorbeischwingen oder gleich mit ins Zelt genommen werden um umständlich den Reisverschluss zu öffnen, um den Blick ins Innenzelt frei zu legen, der dann ebenfalls allen Moskitos offen steht. Waren die Bewohner Laos respektvoll und unserem Verständnis nach, sehr empathisch, fällt es den Vietnamesen leicht uns in eine ständige hab-Acht Atmosphäre zu versetzten. Schließlich trifft zudem die Polizei ein, die zu unserer Überraschung sehr respektvoll agiert und in Erfahrung bringen möchte, was wir hier an diesem Ort vorhätten. Glücklicherweise spricht der Beamte passables englisch und so erklären wir Reise und Erschöpfungszustand, der uns an diesen Ort gebracht hat. „Sehr interessant“ lässt er vernehmen, dann versichert er die freundliche Atmosphäre der Bergbewohner und bietet zudem eine Problemlösung für meinen fragilen FlipFlop an, in dem er direkt zu Nadel und 10fach gelegtem Faden greift. Nach diversen Telefonaten, rücken die beiden Beamten nach einer Stunde auf ihrem Moped ab und wünschen uns eine gute Reise und gratulieren uns, mit Händedruck, zum bisherigen Reisefortschritt.

Mit vollem Völlegefühl, dösend auf dem Rücken liegend, rüttelt es um 21:00 Uhr am Zelteingang! Abendessen aus der Nachbarschaft! Dankbar aber zerstört nehmen wir, nach erneutem Zeltgeschüttel, den Reis und staubtrocken frittierte Fischlies entgegen. Sehr herzlich die Menschen in den Bergen, auch wenn das Timing uns zurück in den Hungermodus drängt.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns, gemeinsames Foto und Händedruck inklusive, dann buckeln wir weiter über die Hügel und Hänge Richtung Phong Nha. Ein Tag ohne Sonne, einem kurzen verhaltenen Regenschauer, etwas größeren Siedlungen in aufgewertetem Erscheinungsbild, Reisfeldern in Flussebenen und viel, sehr viel verwachsener Wald. Am Abend 12km vor Phong Nha, wird die Dorfkuhweide, auf der die Vierbeiner an einer Angel grasen zum Zeltplatz unserer Wahl. Beim Kochen sind wir erneut Attraktion für Jung und Alt, die eben ihre Kuh nach Hause führen oder die zum Fußball spielen gekommen sind. Wir sind beide müde nach 12 Tagen ohne Rast und vielen Metern auf und ab dürsten wir nach Ruhe und Erholung. Doch der Abend spielt uns ein anderes Stück Szenerie. Dauernd müssen wir die Antennen ausfahren ob nicht wieder ein Teeny das Zelt öffnet, weil er gesehen hat das es einen Reißverschluss gibt oder den Nächsten ermahnen, die Klingel am Fahrrad nicht minutenlang an ihr Leistungslimit zu bringen oder die Vorderradleuchte in ihre Einzelteile zu zerlegen. Dann sonnt sich wieder einer provozierend arrogant im Rückspiegel und fingert erst in der Nase und dann am USB-Slot oder an der Spannvorrichtung für Flaschenhalter oder Zeltleine.

Hui wir sind nicht entspannt… at all! Als es dunkel wird, wird das Publikum kleiner. Duschen wäre toll, mit Publikum das scheinbar keine Privatsphäre kennt, ziehe ich also blank und erfrische mich aus dem Wassersack in Kombination mit Shampoo. Dann essen wir im Dunkeln und gehen, nachdem der letzte Zuschauer den Heimweg angetreten hat zu Bett. Es dauert nicht lange, da nähert sich bereits das erste Moped. Dreist und unverschämt hantiert ein halb Erwachsener am Zelt bis wir den Reisverschluss öffnen, bevor er ihn ganz zerstört. Dann drängt er sich mit seinem Scheinwerfer ins Zelt und wir spüren die ersten uns unliebsamen Erfahrungen. Als er erneut grob mit dem Innenzelt wird und „Money!“ „Money!“ von sich gibt, was das einzig Wort ist, mit dem er sich vorstellt, öffne ich blitzschnell den Reisverschluss. Das ich nackt bin scheint ihn zu erschrecken, er springt auf, sattelt das Moped während ich den Selfi-Stock ziehe und brennt mit heißen Rädern über die Weide Richtung ferner liegendem Dorf.

Bescheuert! So etwas unnötiges, aber die Erfahrung hält uns in einer nervösen Stimmung, die einzig und allein durch ein einziges Erlebnis schwer abzulegen ist. Die Nacht wird unerholsam, komische Träume, komische Geräusche ums Zelt. Um halb fünf stehen wir auf und widmen uns dem Frühstück.

Wir sind fremd, denken an die Flüchtlinge und deren Familien zu Hause, die als EU-Neulinge weit häufiger, heftigere Erfahrungen machen… Unsere Erfahrung im Vergleich sanfter negativer Art!

Es vergehen zwei Wochen in Vietnam bis wir die Stimmung abgelegt haben. Auch weil wir bei alltäglichen Besorgungen größtenteils das Gefühl haben überdurchschnittlich viel Geld für Gemüse, Eier oder Reis zu zahlen. „Schade denken wir oft, denn es wird seitens der Einheimischen kein Hehl daraus gemacht, das diese Art gängige Praxis ist!

Phong Nha liegt am Song River ein komischer Ort, der zur Hälfte aus Hostels besteht, wie „Backpacker In“, „Backpackers Dream“ „Backpacker Hostel“ oder „Wild Tiger“, dass zu den ersten Touristenhäusern zählt, die aus Beton gegossen die 2,5km lange Hauptstraße säumen. Der Ort bietet nichts außer zerstreute Gruppen an Rucksackreisenden die im Bus von der Küste angeliefert werden oder solche die mit dem geliehenen Moped ankommen. Es ist kühl, es nieselt die zwei Tage die wir in einem kleinen Zimmer mit Doppelbett rasten. Die scheinbar größte Grotte/Höhle der Erde liegt keine 10km entfernt von hier, doch wir können uns nicht so recht vorstellen in der gleichen Atmosphäre, wie sie der Ort ausstrahlt eine Tour zu buchen und eine der drei Höhlen zu besichtigen. Also verlassen wir das Nest in Richtung einsamer Berge, über die westliche Hoh Chi Ming Road.

 

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