Phong Nha – Hoi An (14.01. – 27.01.)

Vier Tage durch den Dschungel der vietnamesischen Berge. Schon am ersten Tag nach 10km zeigt sich, was wir vermutet hatten. Eine Piste die in gutem Zustand hält was sie verspricht: verschraubte Seitentäler, Ruhe, beängstigend dichter Urwald, springende Affen, vereinzelte Moped-Touristen, leichter Regen, Nebelpässe, Flusstäler, kühle Nächte, schwer vorstellbare Ausblicke und krass viele Höhenmeter im gewohnten 10 bis 12% Niveau. Wir sind froh mehr an Proviant dabei zu haben, als zuvor vereinbart, denn die Abendrationen bringen unsere Töpfe an ihre Grenzen. Doch irgendwo muss die Kraft für den nächsten Tag schließlich herkommen.

Am ersten Abend ist die Straße so verlassen, dass wir hätten auf dem Asphalt das Zelt stellen können, doch der zeltbreite Seitenstreifen, gibt einem etwas mehr die Chance in hartem Schotter, vielleicht doch sechs Heringe in den Grund zu bekommen. Wird eben in der Mitte der Straße gekocht und unmittelbar daneben geschlafen.

Als am Morgen um 8:30Uhr die ersten Fetzen blauer Himmel über das enge Tal ziehen, trauen wir uns aus dem Zelt, das uns vor dem kräftigen Morgenregen sicher geschützt hatte. Schwer und nass liegt es eine Stunde später im Packsack auf Leonie‘s Gepäckträger, um am Mittag auf einem windigen Pass getrocknet zu werden und am Abend am Fluss einer Sandbank erneut zu Hause zu sein. Wenn wir Menschen treffen, dann meist solche die den Kopf schütteln und uns für nicht normal erklären, wenn der Moped-Tourist rauchend von Vietnam erzählt. Das Gespräch mit Xujen, einen Südvietnamesen aus Saigon, der sich ebenfalls erst an den Kopf tippt und dann an den platt gesessenen Hintern, startet ähnlich. Doch er hat volles Verständnis und läd uns in die Hauptstadt zum Kaffee trinken ein, falls wir spontan dort aufkreuzen. Der Gute ist Bootsbauer, Kajaks und Kanus sind seine Leidenschaft. Er empfiehlt uns den Kajakverein im Lande, dem nur etwa 80 Personen angehören und erzählt uns, dass wenn er raus zum Paddeln geht: „I do it like you, I do it the hard way!“ Einmal will er von seiner Haustür aus mit dem Seekajak die gesamte Küste nach Norden paddeln. Im Verein zeigen sie ihm nur den Finger an den Kopp. Dann lacht er und brummt herzlich mit seinem Moped Richtung Laos. Wir murksen den nächsten Anstieg empor, zerstören Leonie‘s Tretlager und finden uns am Abend erneut an einem kleinen Fluss, der Trinkwasser, Dusche und Geschirrspüler in einem bereit hält. Als wir den ebenen Platz geräumt und von kleinen Pflänzchen befreit haben, setzt der erwartete Regen ein. Schnell stellen wir das Zelt und die Taschen hinein. Abendessen und Kochen im Zelt, so begeistert sind wir nicht. Doch dann hört es auf zu schütten und der Abend geht entspannt in unserem Steinvorgarten mit Kürbissuppe zu Ende. Ein letzter Pass, vorbei an Kaffeeplantagen und nach langen Uferkilometern erreichen wir Khe Sanh, eine kleine Stadt nahe der laotischen Grenze in Zentralvietnam. Es ist windig, sehr kühl und immer liegt die Gefahr von Regen in der Luft.

Mit ein Grund weshalb das Gästehaus an der Hauptstraße, uns eine Nacht hält und wir zu Fuß den Markt besuchen können. Am Nachmittag ist die Stimmung der Verkäuferinnen, auf Grund des geringen Andrangs gelassen und viele unterhalten sich über die eigenen Stände hinweg mit den benachbarten Geschäften. Oder sind selbst auf Erkundungstour durch die schmalen teils düsteren Gänge. Wir finden was wir brauchen und eine Vietnamesin findet zudem Gefallen an Leonies Brüsten die sie aus allgemeinem Interesse heraus zum Test anknetet. Die taktile Bevölkerung schreckt vor nichts zurück. Gekocht wird anschließen auf dem Hof, auf dem das Zelt trocknet und uns die Tochter des Besitzers mit etwas englisch und Interesse beiwohnt.

Trocken verpackt geht es am nächsten Morgen die kühlen 500 Höhenmeter ins Tal des Song Hieu. Die Berggipfel sind nebelverhangen und die Luft taunass. Wenn dann der Wind weht denke ich oft an die Jacke die tief in der rechten Hinterradtasche verstaut ist, doch sobald die ersten kleinen sanft ansteigenden Passagen, die eigenen Temperaturen wieder steigen lassen, ist alles gut wie es ist. Entlang des Stroms der uns vorbei an Dong Ha an die Küste bringt, wo er in ein weites Delta mündet sehen wir zum ersten Mal das südchinesische Meer. Oben auf der ein Kilometer langen Brücke atmen wir die salzige Brise und folgen mit dem Blick den Kuttern und kleineren Booten die ein- oder auslaufen. Die Fischeratmosphäre ist nun allgegenwärtig. Entlang der Küste sind alle Häuser mit Equipment und Material für die See ausgestattet. Wir finden in dem Ort nach der Brücke ein kleines bewaldetes Stück abseits der sandigen Straßen, denen wir spontan gefolgt sind, das Versteck genug bietet, um in Ruhe und ungestört zu Kochen.

Hué ist eine Tagesetappe entfernt! Der Weg führt uns durch viele Dörfer und genau in eben so einem spricht uns Bieu, auf dem Roller vorbeifahrend, an. Wenig später sitzen wir auf der Terrasse seines kleinen Häuschens, schlürfen Tee und hören uns Gesänge, begleitet vom Gitarrenspiel, von Romeo und Julia aus seinem Munde an. Etwa eine halbe Stunde versuchen wir uns mit dem Englischlehrer des Dorfes zu unterhalten, was jedoch sehr einseitig verläuft, da unsere Fragen so gut wie nie zu Antworten seinerseits führen. Wieder auf dem Sattel schiebt uns der Rückenwind in 5 Stunden ans Ziel, wo wir für 3 Tage bleiben und die Stadt auf dem Rad und teils zu Fuß erkunden. Die erste Stadt nach Vientiane in Laos, erinnert uns an einen Mix aus China, Baguette und einer touristischen Attraktion in Form des UNESCO Welterbe „der Zitadelle von Hué“, die dem Kaiserpalast der verbotenen Stadt Peking nachempfunden ist. Die Metropole bietet 370.000 Menschen ihren Platz zum Leben und war bis 1945 Hauptstadt. Der Parfüm Fluss teilt die Stadt in zwei Hälften nördlich liegt der alte Stadtkern mit den verwinkelten Gassen Geschäften und Märkten südlich liegt die Universität die für viele Medizinstudenten Anlaufpunkt ist.

Der Regen bleibt uns treu, auch nach den drei Tagen als wir nach Süden weiter fahren hält die Küste reichlich Regen bereit. Langweilig und monoton geht es auf dem Highway dem Wolkenpass entgegen, der laut meteorologischen Aussagen die Regengrenze darstellt. Und genauso ist es, der Aufstieg regnet uns zwar fast vom Rad, doch als der höchste Punkt hinter uns liegt wird die Sicht verheißungsvoll klarer und die Wolken erbarmen sich für Ab- und Weiterfahrt ins nahe gelegene Da Nang, wo wir nach kleiner Diskussion im ländlichen Vorstadt Baugebiet einen winzigen Platz zum Zelten finden. Es bleibt Zeit die Sachen zumindest die Klamotten anzutrocknen, bevor es tags drauf nach Hoi An in eine kleine Provinzstadt nahe der Küste geht.

Die Kulisse ist bereits auf dem Weg dorthin Tourismus pur! Die Strände sind gepachtet für riesige Resort, die teils begonnen teils in der Planung stehen, es erstrecken sich Golfanlagen entlang der Küstenstraße und an jeder Ecke steht der Massentourismus in den Startlöchern, dem wir letztlich auf dem Markt der Stadt begegnen. Gut für uns das unsere Bleibe knapp 5km entfernt vom Kern liegt und unsere Managerin der Lokation eine offene und super herzliche Vietnamesin aus den Bergregion unweit von Hué ist.

Die frischen Temperaturen bleiben uns erhalten, der starke Wind lässt das Meer am Strand schäumen, während die Wellen am Festland und an dem Wall aus Sandsäcken, der die Wellen vorzeitig bricht nagen. Die Küche bietet Raum für Experimente, wie Bananenchips oder frittierte Süßkartoffeln im Teigmantel, oft steht uns Lanh dabei mit Tat und Rad zur Seite, die Abwechslung tut ihr gut sagt sie. Beim Abendessen sitzen wir oft zusammen und erzählen einander, klären Fragen, die auf beider Seiten brennen und verkosten die verschiedenen Gerichte. Zudem ist es Zeit für ein anstehendes Wartungsinterwall, also blinken eines Abends die Räder in neuem Glanz und tags drauf rollen wir mit frischem Narben-Öl aus der Stadt über die neue Brücke hinaus Richtung einsame Küste.

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