Otres – Koh Kong (03.04. – 05.04.)

Dann organisieren auch wir unser Gepäck, zurren nochmal alles fest und radeln stadtein- und kurz darauf stadtauswärts Richtung Thailand, Richtung Bangkok entlang der Nationalstraße Nr.4, die wir erst sechzig Kilometer nach einem gewaltigen Loop entlang der Küste erreichen. Der erste Radreisetag seit so vielen Urlaubstagen endet am späten Abend weit abseits der Hauptstraße an einem kleinen Tempel, wo wir unser Zelt aufstellen unsere Wäsche zum trocknen aufhängen und von einem der Tempelwächter zu einer Frischwasserquelle in ausgewaschenem Stein geführt werden, wo sich die ansässigen Bewohner waschen und ihr Trinkwasser auffüllen. Genau das Gleiche tun wir auch, so froh darüber,  überhaupt duschen zu könne und an Frischwasser zu gelangen.
Am Tag darauf merken wir den Tag zuvor und von der Küste die durchschnittlich zwölf Kilometer entfernt ist, ist rein nichts zu sehen. Es liegen zwei, drei größer Ortschaften auf der Etappe aber ohne erkennbaren Scharm und gleichzeitig fühlen wir uns in unserer Zweisamkeit irgendwie einsam. Weshalb das Bedürfnis das Land zu verlassen in uns beiden wächst. Am Abend liegt die letzte Stadt hinter uns, es hatte über Tag mehrfach geregnet, was uns mittags zwang tatsächlich anzuhalten, denn als Straßen und Wege geflutet waren stieg das Risiko auf der Straße von einem Auto oder LKW überfahren zu werden erheblich, denn selten hat es der einheimische Autofahrer mit Aquaplaning zu tun. Weshalb nach dem Gewitter und während, das ein oder andere Auto fern ab der Straße auf dem Acker zu finden war. Selbst an dem Kiosk an dem wir unterstanden, wo eine kleine Straße abzweigte ein LKW Fahrer seinen Truck nur mit Glück und einer halben Pirouette auf der Straße halten konnte, als er zu spät bemerkte, dass er mit zu viel Schwung die Abzweigung nicht nehmen kann. Die Nacht ist auf Grund der Boden und Luftfeuchte ein lang vermisster Genuss, der zu oft erläutert wurde und auch am kommenden Morgen hat sich daran nichts geändert.
Wir quälen uns über den ersten Hügel und müssen eingestehen, dass wir nicht in der Verfassung sind die Rampen eine nach der anderen zu klettern. Zwei Stunden halten wir durch, dann nimmt uns ein Vietnamese auf seinem kleinen LKW mit über die Mittelgebirgsstraße. Zum Glück! Leonie sitzt als Beifahrerin im Führerhaus, ich habe hinten auf der Ladefläche Platz genommen. Nach eineinhalb Stunden inklusive kurzer Mittagspause lässt er uns am Eingang zum Naturschutzgebiet, das uns Marco und Tiphaine empfohlen hatten raus. Mit einem gemischten Publikum aus Kambodschanern, Thailändern, Vietnamesen und Chinesen entspannen wir am Wasserfall Tatai in einer Felsspalte im Schatten, waschen unsere Klamotten und genießen den sonnigen Tag, während wir den entzückten Besuchern, die sich im Wasser planschend amüsieren, viel Aufmerksamkeit schenken.
Am Nachmittag dann verlassen wir das entspannte Nass und radeln nach wie vor über hüglige Rampen nach Koh Kong am Stung Atay Fluss. Die letzte Stadt in Kambodscha, mit charmantem Markt und wenig touristischem Klamauk.
Über den Grenzübergang Hat Lek verlassen wir ein wunderbares Land, dem wir wünschen das es zurückfindet in ein stabiles politisches System, das nicht das Land zum Ausverkauf frei gibt, sondern die Schätze respektiert und bewahrt und eine kritische Gesellschaft akzeptieren kann.

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