Tehran – Yazd (08. – 15.08.)

Von Leonie

Mit einigen „allahu akbar“ – Ausrufen, Applaus und Freude setzen wir, nach den nicht unerheblichen Turbulenzen am Nachmittag, sanft in der untergehenden Sonne am tehraner Imam Khomeini Flughafen auf. Schnell sind wir im Flughafengebäude und ebenso schnell, das Abendgebet steht vor der Tür, haben wir unser zweites iranisches Visa im Pass, deutlich teurer als vermutet, jedoch on-arrival. Das Gepäckband hat längst aufgehört seine Runden zu drehen als wir unsere Räder, sowie das Gepäck in der hintersten Ecke erblicken, alles weitestgehend unbeschadet, was ein Glück!

Philipp beginnt sogleich mit dem Zusammenbau der zerlegten Räder, während ich mich auf der nebenstehenden Bank ausstrecke, zitternd, dick in den Schlafsack eingepackt, so ganz unbeschadet habe ich den Flug leider nicht überstanden und mir einen Infekt eingefangen.

Am frühen Morgen, mäßig ausgeruht, satteln wir unsere Räder und finden nach einigem hin und her die richtige Straße, die uns zur Autobahn und dann in ca. 30km nach Tehran bringen wird. Für einen Tag im Sattel, wieder auf der Straße, es ist gewohnt heiß und die Überholenden hupen, lachen und winken uns herzlich zu. Mein gesundheitlicher Zustand lässt zu wünschen übrig und so bin ich froh, als Tehran näher und näher kommt. Nach einigem bergauf, bereits mehreren Einladungen zu Tee, Eis und Wasser, stehen bzw. sitzen wir endlich bei Ahmad und Saeedeh im Stadtteil Jusuf Abad vor der Türe. In der ohnehin nicht langen Wartezeit werden wir von Mehdi angesprochen, dessen Heimat Maku im Nordwesten ist. Eben dort, wo uns K1 im letzten Jahr einen wunderbaren Einstieg in den Iran bereitet hatte, sogleich schießen wir ein Bild, welches K1, unser gemeinsamer Freund, wenig später erhält, was ein Zufall!

Es ist nicht Ahmad, der uns die Türe öffnet. Sein jüngster Sohn Amir Ala (25) begrüßt uns jedoch ebenso herzlich, wir fühlen uns gleich wieder wie zu Hause in bekannter Umgebung. Diese, das angekommen sein und eine Dusche führen bei mir zu einem gnadenlosen Systemabsturz, der mich den Rest des Nachmittags bis hin zum nächsten Morgen abwechselnd schwitzend und frierend im Bett verbringend lässt. Philipp wird unterdessen direkt zum Besuch zu Freunden der Familie eingeladen und verbringt den Abend in entspannter Atmosphäre mit Ahmad zu Hause.

Entspannte Tage, auskurierend, mit Tee, Inhalation und sonstigen Hausmitteln umsorgt, ermöglichen mir der Einladung von Ahmads Vater Jafar zum Familienessen zu folgen. Es ist schön bekannte Gesichter der Familie wiederzusehen und weitere Tanten, Onkels oder Cousins kennenzulernen. Der über 80jährige Kopf der Familie genießt sichtlich das muntere Treiben, Lachen und Erzählen seiner Lieben. Auch Saeedehs Familie dürfen wir am nächsten Abend kennenlernen. Es ist noch lebhafter mit kleinen Kindern und viel Gelache der drei Schwestern. Bei allen Einladungen werden wir unglaublich verwöhnt! Obst, Nüsse, Trockenfrüchte und Gebäck als Vorspeise, Safranreis, Salate, Gemüse und weiteres Obst, Eis oder Süßes als Nachtisch…mmmhhh!

Wir packen kleines Gepäck, in zwei Rucksäcken soll alles sein, was wir die nächsten Tage benötigen. Noch einmal zum Essen zu Verwandten, bevor wir am späten Nachmittag die tehraner U-Bahn in Richtung Bahnhof besteigen. Wir fahren mit dem Zug! Im Bahnhof erwartet uns das übliche Gewusel und wie in China ist es, erst als die Bahn am Gleis steht, gestattet den Bahnsteig zu betreten. Freundlich bekommen wir unsere Plätze zugewiesen und sind erstaunt, als Snacks, Wasser und Kopfhörer für das Fernsehprogramm verteilt werden. Gemütlich geht es Richtung Süden, es ist bereits 01:30 am frühen Morgen, als wir Yazd, die alte Oasenstadt erreichen. Mohammad heißt uns am frühen Morgen herzlich willkommen und wir fühlen uns gleich wohl und heimisch bei dem energiegeladenen Mitdreißiger, der perfektes Englisch spricht und immer ein breites Lachen im Gesicht hat. Die nächsten Tage verbringen wir in seinem Haus so untypisch iranisch, wir dürfen mithelfen, selber kochen und den Abwasch machen, es ist herrlich und wir genießen die, leider immer nur kurze Zeit mit Mohammad, seiner Frau Mahboobeh und der quirligen Tochter Anita. Täglich nach dem Frühstück ziehen wir los, die Stadt zu erkunden. Yazd ist traumhaft! Eine der ältesten Städte des Irans mit einer bezaubernden Altstadt, kleinsten Sträßchen, alten Häusern, die alle mit Lehmputz verputzt sind, imposanten Moscheen mit unglaublich schönen blau-türkiesen Mosaiken, Häuser mit Windtürmen, die als antike Klimaanlagen dienten und natürlich voller netter und interessierter Iraner.

In den nächsten Tagen stößt Verena, eine Soloradlerin entlang der Seidenstraße auf dem Weg nach Osten hinzu. Ebenfalls soloradelnd ist auch Lotta unterwegs, die muntere Finnin, die bei Mohsens Familie in Maschhad einkehrte, während wir durch Mohsens Handy aus Kuala Lumpur bei Skype vor wenigen Tagen durchgewunken haben. Es ist schön mal wieder Raderlebnisse zu teilen! Mohammads Einladung folgend, besteigen wir am Nachmittag die Türme des Schweigens, dies sind beeindruckende Berge auf denen die Toten der Zoroastriens (eine sehr alte Religion die um das 5 Jhd. v. Ch. vor allem im iranischen Raum verbreitet war und heutzutage immer noch einige Anhänger dort hat) luftbestattet wurden. Am Abend dürfen wir sprachinteressierte Iraner in Mohammads Sprachschule kennenlernen, die vermutlich ebenso nervös sind auf Englisch zu sprechen, wie Verena die sich um ihre anstehende Busverbindung nach Isfahan sorgt, und ihnen einen Einblick in unsere Reise ermöglichen, bevor es zu Mahboobehs Kunstatelier geht.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *