Bangkok – Mae Sot (18.04. – 30.04.)

Von Leonie

Nach fast 2 Wochen ist es nun so weit. Die Räder stehen wieder bepackt neben dem kleinen Bungalow-Häuschen, das Bart und Monika zur Zeit ihr Eigen nennen. Wir verabschieden uns herzlich, so schön war es die beiden für einige Tage besuchen zu können und endlich einmal mehr Zeit, als in Tabriz, Maschad oder Luang Prabang miteinander zu verbringen. Es war das letzte Wiedersehen auf dieser Reise, die beiden PolenInnen werden in rund einer Woche nach Hause fliegen, ein komisches Gefühl!

Wir steigen stattdessen auf den Sattel, das Thermometer zeigt bereits 35°, die Schweißporen sind geöffnet und wir stürzen uns rein ins Großstadt-Auto-Getümmel. Philipp lotst uns nur einige km auf einer autobahnähnlichen Straße, dann fahren wir schon auf Nebenstraßen raus aus Bangkok in Richtung Norden. Es ist flach! Es ist heiß! Wir haben Rückenwind und fliegen schnell an den Reisfelder und Bewässerungstümpeln vorbei. In der mittäglichen Hitze finden wir einen großen Tempel, direkt am Fluss gelegen, wo ein fast schon frisches Lüftchen weht und wir gemütlich einige Stunden im Schatten des riesigen Baumes liegen dürfen. Am späten Nachmittag, als wir auf die Straße zurück rollen, hat gerade das Marktleben auf der anderen Seite begonnen und wir finden alles, was wir für das Abendessen, welches wir auf einem kleinen Weg zwischen Tümpeln und den darüberstehenden Hühnerställen, ganz nach Permakulturprinzip, wie ich einige Monate später lesen soll, später am Tag kochen, benötigen. Satt, geduscht und gleich wieder schwitzend versuchen wir in unserer mobile Saune schlaf zu finden.

Der Saunagang war gut, der Schlaf weniger! Aber was tun? Während dem Frühstück trocknen die nassen Matten etwas auf den Rädern und wir bereiten uns auf den langen Tag vor, Tagesziel ist ein Stausee, ca. 105 km entfernt. Genau das Richtige nach ca. 1 ½ Monaten kaum Fahrrad fahren. 😉 Unsere Kartenapp ist für Thailand super ausgebaut und so finden wir zahlreiche kleine Sträßchen, auf denen wir dem Verkehr aus dem Weg gehen können. Wir schwitzen uns so dahin, stärken uns mit leckerem Papayasalat, ruhen im Schatten und radeln am Nachmittag begleitet von dicke Wolken weiter, herrlich! Genau als wir die Staumauer erreichen lassen sie einige Tropfen auf uns niedernieseln und wir warten diese gespannt ab. Am weiten Ufer des Sees, direkt hinter der Staumauer stehen bereits 3 einheimische Zelte, sodass wir unseres, nach einem Bad im doch frischen Nass, in einiger Entfernung daneben stellen. Ein frisches Lüftchen verspricht uns für heute eine kühlere Nacht.

In den nächsten Tagen fahren wir stetig Richtung Norden, auf kleinen Straßen, durch schöne Dörfer, es wird hügeliger und wir haben immer wieder kurzweilige, schöne Begegnungen beim Eiskaffee trinken, beim Rasten im Tempel oder unter Bäumen, am Fluss oder bei der Einladung im Garten zu zelten. Es gibt Mangos an jeder Ecke! Während dem Fahren halten wir immer wieder um Fallmangos zu sammeln, die bei der nächsten Pause verzehrt werden…mmmhh!

Thailand außerhalb der touristischen Zentren zu erleben gefällt uns richtig gut! Die Dörfer erinnern oft an Laos, die Menschen ebenso. Überall winken und lachen uns freudige Gesichter entgegen. Stoppen wir, dauert es nicht lange und wir halten ein gekühltes Getränk, Obst oder sonstige Leckereien in der Hand. Wir fühlen uns wieder einmal, herzlich willkommen! Die ThailänderInnen ihrerseits sehen hier oft aus wie wilde Banditen. Bunte Sturmhauben über dem Kopf, sodass nur die Augen zu sehen sind düsen sie auf ihren Mopeds an uns vorbei.

An einem schon fortgeschrittenen Abend, es dämmert bereits, läd uns Pui, etwa in unserem Alter, die zusammen mit ihrer Mama in einem netten Holzhäuschen wohnt ein, doch in ihrem, wie sich herausstellt, riesigen Garten zu übernachten. Im sicheren Umfeld wagen wir zum ersten Mal nur im Innenzelt zu schlafen, nachdem Philipp fachmännisch im polnischen Resort Gummilaschen angenäht hat, sodass wir das Gestänge einfädeln und die Sommerversion verwenden können, mit der Hoffnung dem ständigen nächtlichen saunieren zu entgehen.

Wir werden unglaublich lieb versorgt mit den besten Mangos, die wir bis dahin gegessen haben, leckeren Bananen, einer frischen Dusche und Kaffee am nächsten Morgen. Pui ist so lieb und kümmert sich reizend um uns, dass es uns traurig stimmt, als sie von ihrem Freund in Amerika berichtet, ein Mitfünfziger mit Familie, der ein bis zwei Mal pro Jahr alleine nach Thailand reist. Ein mulmiges Gefühl breitet sich in unseren Bäuchen aus, was sich auch nach der herzlichen Verabschiedung nicht so ganz vertreiben lässt.

Für uns geht es weiter zum nächsten See, heute glücklicher Weise eine kurze Etappe! Im kleinen Lädchen, kurz bevor wir unser Ziel erreicht haben, erwerben wir Abendessens – Eier und werden von der aufgeweckten thailändischen Verkäuferin in ordentlichem Schweizer-Deutsch angesprochen. Sie wohnt bereits seit 20 Jahren in Basel und macht gerade Urlaub zu Hause, wie klein die Welt doch ist!

Der Tag wird entspannt in der Windschiefen Hütte am See hinter der rieseigen Staumauer verbracht. So wenig wie möglich bewegen und so viel wie möglich trinken ist die Devise bei dieser Hitze!

Zwei Tage folgen wir dem Ping Fluss, der sowohl tagsüber, als auch in der Nacht wunderbare Erfrischung bringt. Am zweiten Abend wagen wir es durch den seichten Fluss zu waten und unser Zelt auf der kleinen umspülten Insel aufzubauen, das wird eine erfrischende Nacht, freuen wir uns. Etwas beunruhigt betrachten wir dann jedoch das stetig steigende Flussniveau, während wir unser Abendessen zubereiten und schließlich wird auch der Sand unter unseren Füßen nass. Ganz klar! Am Abend steigt der Energieverbrauch, die Staumauer weiter flussaufwärts lässt einiges an Wasser durch und wir gönnen uns eine spätabendliche Abkühlung, indem jede Tasche, das Zelt, die Matten und was sonst noch so auf die Insel gewandert ist nun durch bereits hüfthohes Wasser auf eine höher gelegene Insel gebracht wird.

Wir wachen trocken auf und auch das Flussniveau ist wieder um einige cm gesunken, sodass es ein leichtes ist das Gepäck zurück ans Festland zu transportieren. Wir verabschieden uns von der älteren Dame, an deren Gartenzaun unsere Räder die Nacht verbrachten. Neben den leckeren getrockneten Bananen, die wir bereits am Vorabend erhalten haben gesellt sich eine ganze etwa 2kg schwere Tüte, was sonst, Mangos! Vielen Dank und los geht’s!

Heute werden wir, nach langer Zeit mal wieder etwas in die Höhe fahren, 2 Pässe à 900m, dazwischen geht es wieder auf Ausgangsniveau. Wir starten durch grüne Wälder leicht bergauf, bis zum ersten Polizeicheckpoint, den wir mühelos passieren, dann aber doch noch einmal zurückgebeten werden: Picture? 🙂 Als Dank erhalten wir kühles Wasser und was sonst? Mangos! Mittlerweile hat jeder von uns eine große Tüte hinten auf’s Rad geschnürt, die wir mit auf den immer wieder doch sehr steilen Berg hochfahren. Am nächsten Polizeicheckpoint, der ca. 10km weiter und knappe 800m höher liegt vernichten wir einen Großteil der Mangos, bevor wir uns wieder in die Mittagshitze stürzen. Der erste Pass erscheint wie eine kleine Oase, plötzlich fühlen wir uns wie im Urwald und es ist merklich kühler, leider hält dieses Bild nicht lange an. Drum herum sind die einst grün bewaldeten Hügel brandgerodet bis auf’s letzte, um dort nun Kohl oder anderes Gemüse im Steilhang anzubauen. Was ein trauriger Anblick!

Bereits vor dem ersten Pass lassen meine Energiereserven zu wünschen übrig, einen zweiten Pass mit gleicher Höhenqualität, heute nicht mehr! Die Abfahrt gibt neuen Schwung und Energie, die jedoch verpufft, als die nächste 10% Rampe in Sicht kommt. Die Rettung naht! Gerade als ich zum Schieben ansetzten will biegt ein kleiner LKW um die letzte Kurve. Winken was das Zeug hält und….ja! Er hält an und wir dürfen die Räder auf die leere Ladefläche hieven, was ein Glück. Kaum sind wir aufgestiegen, da geht es schon mit viel PS steil den Berg hinauf. Langsam zweifelt auch Philipp daran, dass wir das heute noch geschafft hätten. Als wir nach rasanter Fahrt am Scheitelpunkt absteigen weißt uns ein typisches Schild den 15% Steigungsweg zu einem kleinen Kloster. Genau auf dem Kamm weht eine kühle Brise und nachdem uns einer der Mönche in hervorragendem Englisch willkommen heißt, haben wir unseren Platz im durchwehenden Bambusunterstand gefunden. Das Zelt bleibt im Sack und wir genießen die Frische!

Am nächsten Morgen brausen wir hinab, raus aus Thailand, so scheint es und rein in eine andere Welt. Mae Sot! Die Grenzstadt zu Myanmar! Wir sind überwältigt und fasziniert von dem farbenfrohen Trubel und dem regen Treiben, das uns in der Stadt begegnet. Wir sehen so unterschiedliche Menschen. Dunkle Inder, in bunte Röcke gewickelte Myanmesen, Turban tragende Pakistanis oder doch vielleicht Bangladeschis? Die Moschee steht in blicknähe zum Pagoda, von wo wiederrum die christliche Kirche nicht weit weg ist. Der Markt ist voller neuer Erlebnisse. Wir frühstücken Nan im herrlich atmosphärischen Café, essen Kirchererbsenmus in einer kleinen Kaschemme und informieren uns über die Geschichte im borderline Café. Offiziell leben in Mae Sot rund 31000 registrierte Bürger, es wird jedoch geschätzt, dass etwa genauso viele Flüchtlinge aus Myanmar dort ein neues zu Hause finden wollen. Aus einer Nacht werden drei im gemütlichen Hostel und die Vorfreude auf Myanmar wächst täglich!

 

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