Isfahan – Kashan – Tehran (25. – 31.08.)

Gibt es eine bessere Idee, als den höchsten Sonnenstand des Tages mit einer VIP Busagentur von Isfahan nach Kashan zu überbrücken? Die gibt es, denn die Nachmittagsluft ist in der 200km nördlich gelegenen Stadt ohne üppige Parkanlagen so am Knistern, dass wir besser im Busterminal bis in den Abend hätten warten sollen. Doch Mohammed steht bereits in den Startlöchern. Er ist Medizinstudent im siebten Semester, voller gespannter und freudiger Erwartung ein iranischer Gastgeber zu sein. Ohne Zweifel! Nach strammen, zügigen Schritten, von Schatten zu Schatten, erreichen wir nach knapp sechs Kilometern nahezu ausgetrocknet jedoch äußerlich im Saft stehend, den vereinbarten Treffpunkt. Der drahtige Mohammed, dem seinerseits die Schweißperlen auf der Stirn stehen, ist außer sich vor Freude und liebkost uns mit Küssen und einem Mittagessen aus der Klinikkantine, welches er im gegenüberliegenden Park ausbreitet. Denn der Plan zwei Radreisende im Studentenwohnheim einzuquartieren ist so eben an der Universitätsverwaltung gescheitert. Jetzt im Schatten auf grünem Gras ist die Stimmung erst einmal relaxed. Doch für den werdenden Arzt, Dr. Mohammed ist damit eine halbe Katastrophe ausgebrochen. Bei jeder Gelegenheit entschuldigt sich der Gute für seine Verfehlung mit liebkosender Demut, um dann seine Hilfsbereitschaft bei jedem Handgriff fast drängend anzubieten. Währenddessen laufen seine Handykontakte heiß, bis sein bester Freund anbietet, im Tausch gegen das Studentenzimmer im Wohnheim, seine Wohnung zur Verfügung zu stellen. Es ist bereits am Dämmern, als wir zusammen durch ein Neubaugebiet irren und nach zwei falschen Hauseingangstüren, vor Emad seinem Freund stehen, der uns herzlich und entspannt in die geräumige Studenten WG hineinbittet. Langsam legt sich die Nervösität und Aufregung. Der Schlafentzug aus Isfahan macht sich bemerkbar und beim Abendbrot liebäugelt unser Gemüt bereits mit einer Portion Schlaf. Gerade verschwindet das letzte Stück Gurke hinter meiner Kauleiste, als es an der Tür schellt, zwei Iraner und eine Iranerin dahinter auftauchen, die sich nach dem förmlichen „Hallo, wie geht‘s?“ „Gut! Und dir?“ „Ja passt!“ Auf die Couch setzen und mit Mohammed in einer andauernden Diskussion verfallen. Denn und das lässt sich unterdessen in Erfahrung bringen, mehr als eine Nacht können wir nicht in Emads Wohnung schlafen. Leonie ist eigentlich zu müde um die Augen zu rollen, der Abend ist weit vorangeschritten und die Gruppe diskutiert über Busverbindungen, Taxifahrten, einen Ausflug in die Wüste und diverse Sehenswürdigkeiten in der Stadt selbst. Das wir als Gäste eventuell einen ganz anderen Plan haben, steht zunächst an letzter Stelle. Nur die Frage ob eine Wüstentour auf unserer Wunschliste steht, dringt kurz zu uns durch. Fast schon unhöflich müssen wir uns in die Unterhaltung einklinken, um mit Nachdruck zu erläutern, dass zwei Tage in Kashan, kaum reichen werden, die Innenstadt und einen Besucherradius von sechzig Kilometer im Umkreis zu besichtigen, weshalb wir erstens schlafen müsse, zweitens eine Unterkunft in Zentrumsnähe, zur Not auch für eine Nacht im Hostel, bevorzugen würden. Nach weiteren 15min steht das Trio plötzlich auf und verschwindet so spontan wie es gekommen war. Totmüde mit der Aussicht um 06:30 aufstehen zu müssen, um mit Mohammed die Wohnung zu verlassen, gehen wir zumindest geduscht zu Bett.

Die kuriose Nervösität Mohammeds, das persönlich nicht kommunizierte Verhalten, mit dem Mix ein perfekter Gastgeber sein zu müssen, begleitet uns durch die Zeit in Kashan. Auch wenn wir am Ende zwei Nächte ohne Probleme in Emads Bude, die Platz für vier Personen bietet, bleiben können, überrascht uns Mohammed, jeden Tag mit spontan variablen Planungsänderungen.

Trotzdem genießen wir Kashan wie keine andere Stadt, die wenig Touristen anzieht, uns jedoch an fast jeder Ecke überrascht staunen lässt. So unberührt, traditionell und verzaubernd wirken die alten Häuser, Moscheen und der Bazar auf uns.

Zurück in Tehran sind wir vollgepresst mit Eindrücken und Erlebnissen die wir bis zum Tag unserer Abreise mit guten Freundinnen von Amirala bei Hauptstadtflair und Zwiebelkuchen, einer Portion ‚Kwetschekuche‘ am Tag darauf und dem Besuch von Faranak verarbeiten. Mit Ahmad und Saeedeh besuchen wir die Assadi Brücke und genießen den Blick vom Hausberg hinunter auf die Metropole die in den bunten Lichtern der Sommernacht weiter glühen.

 

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