Kampong Cham – Phnom Penh (18.02. – 23.02.)

Pay and Go, ist das Motto der schwammigen Bambusbrücke, die bei steigender Sonne unter den Rädern rappelt und richtig laut wird, wenn Mopeds beladen mit drei bis vier Personen an uns vorbeibrettern. Am Mekong in Richtung Hauptstadt ist deutlich mehr Verkehr und es staubt uns den ganzen Tag die Nase zu. Zur kurzen Erholung bieten sich die Tempel (Wat) entlang der Straße an, die überwiegend Neubauten aus den letzten zwanzig Jahren sind, da die Religion unter dem Regime der Vergangenheit dem Erdboden gleich gemacht wurde. Für die Moscheen verhält es sich gleich. Neben Statuen sitzend, um Luft ringend, erkennen wir die Option der Flussquerung mit der Fähre, die laut knatternd über den Mekong auf die andere Seite übersetzt. Nach den letzten Bananenchips, biegen wir ab zum Anleger. Interessiert und mit großen Augen wird auf die Fähre gewunken. Alle ducken sich in den Schatten, der halb mit der Kapitänsbrücke überdachten Fähre, bis sich der Kahn dreht und alle dem Schatten folgen.

Die andere Seite ist ruhiger, doch deutlich staubiger. Bei dem wenigen Verkehr der uns passiert, bleibt uns nur tief Luft zu holen und mit zugekniffenen Augen und geducktem Kopf eine gerade Linie durch den Staubnebel zu halten. Geschafft! Und gleich wird uns wieder gewunken und gelacht. Am Nachmittag umfahren wir und alle anderen Verkehrsteilnehmer eine ausgedehnte Hochzeit, die für die nächsten Tag die Straße mit Festzelt und einer Livebühne samt dicker PA-Anlage blockiert. Durch den Garten der Nachbarn hat sich bereits eine Umgehung eingefahren, die sich dann durch eine enge Passage Bambushütten zurück auf die gewässerte Piste quetscht. Die Stimmung ist ausgelassen, die Gäste, vor allem die Mädchen und Frauen in kitschigem Dress und den höchsten Absätzen die bei diesem Terrain tragbar sind, dazu spielt eine Band groovige Beats und beschallt das halbe Dorf. Wenn dann richtig! – geht es uns durch den Kopf, im selbigen Moment beeindruckt über die Feierlaune und den Kontrast den die Feier in die Mitte der Straße setzt. Mit Tanzgefühl und den rhythmischen Schwingungen halten wir am nächsten Eckkaffee und kühlen die Kopfhitze mit gesponsertem Eiskaffee, bevor wir ums nächste Eck radeln und die Zelthütte zwischen Papajabäume und Gesträuch auf die Wiese setzen.

Steil fällt das Ufer an dieser Stelle in den Mekong, sodass wir vorsichtig hinunter steigen und den Rest der staubigen Körperoberfläche abkühlend grundreinigen. Am Ufer liegen mittelgroße Boote auf denen muslimische Familien, der Volksgruppe der Cham ihr Abendessen anfangen zuzubereiten. Mit einem freundlichen „Assalamu alaikum“, gelingt auch hier ein zögerliches, verhaltenes, neugieriges Lächeln, während der Motor angezogen wird und die letzten Boote auf die im Mekong liegende Insel übersetzen, um dort sie Nachtkühle zu genießen. Dann folgen auch wir dem Hungergefühl und beginnen das Schnippeln und Dünsten. Die Nacht wird schwitzig warm, dazu schallert Musik einer anderen Hochzeit zu uns ans Zelt und am Morgen schrillt der Hochtonlautsprecher blechern die traditionelle Zeremonie-Töne in die Atmosphäre von verklebten und müden Beinen.

Beim Zusammenpacken, kommt die muslimische Community mit ihren Einkäufen vom Markt zurück, der gleich hundert Meter weiter hinter der nächsten Häuserzeile liegt. Der frühe Morgen und ein neuer Tag haben spürbar Mut gebracht, denn gleich sind wir in Gesellschaft vieler Frauen und Kinder, die Männer kommen von den Booten, sich wundernd, wo die Einkäuferinnen bleiben. Es wird gelacht, mit Hand und Fuß erzählt, dass wir nach Phnom Penh radeln und dann weiter durch Cambodia auf dem Sattel sitzen. Es gibt große Augen, Tipps, gute Wünsche und es wird gebeten, dass wir auf uns aufpassen sollen. Klar jeden Tag, soweit es nötig ist.

Langsam schieben wir die Räder auf den Markt, besorgen das was fehlt und satteln auf, weiter entlang der Straße, dem Strom folgend. Runde siebzig Kilometer sind es noch bis zum Hauptstadtziel, doch je früher wir auf dem Immigration-Büro unser Visum verlängern lassen, desto weniger Spielraum bleibt uns in der gemeinsamen Zeit mit den immer näher rückenden und mit großer Freude erwarteten Freiburgerinnen. Also schalten wir mit Planungsgedanken und dem vor uns liegenden Wochenende drei Gänge kleiner und genießen einen weiteren Tag am Wasser. Ganze dreizig Kilometer später richten wir unser Mittagslager unter schattenspendenden Bäumen ein. Wir sind an der letzten langgezogenen Flussbiegung auf der Seite der Sedimentation. Auf den großen Weiden und über den Gleithang führen die Viehhirten gemächlich ihre Schafkopfkühe, damit diese sich im Wasser erfrischen können, um danach angepflockt wider in der Sonne zu grillen. Der Nachmittag zieht mit seiner Hitze vorbei und gegen Abend folgen wir den Ortsansässigen ans Wasser um ebenfalls mit Seife den Pelz zu schrubben. Wir kochen mit Publikum und hoffen, dass diese Nacht etwas frischer Wind durch den Zelteingang weht. Es weht nur verhalten. Deutlich durchdringender trägt die Luft, was uns wenig überrascht, die Hochzeitsmusik aus dem Dorf zu uns und uns wird klar warum einige Anwohner des Abends mit Sack und Pack zum Strand geschlendert sind. Der Vollmond tut seines zur schwer genießbaren Nacht. Wir hoffen auf Phnom Penh, Erholung und ausreichend Schlaf bei Hong, den wir in der ersten Nacht in Cambodia mit seiner Familie kennengelernt hatten.

Der nächste Vormittag ist durch Baustellen und Erdarbeiten geprägt und je näher wir der Metropole kommen, desto weniger atmosphärisch ist das Bild entlang der Straße. Eine große Fähre bringt uns gegen Mittag ans Stadtufer und in der fußläufigen Masse schieben wir die Räder hoch auf die Hauptstraße. Da sind wir! „Ruft mich einfach auf meiner Handynummer an“, hat uns Hong vor gut zehn Tagen gesagt. Also fragen wir vereinzelt Passanten ob wir kurz eine Handynummer mit deren Telefon anrufen dürfen. Kurze Zeit später meldet sich Hong schläfrig am anderen Ende der Leitung. Kein Problem wir sollen kommen, am besten zum „Wat San Sam Kosal“, der sei gleich bei ihm um die Ecke, dann würde er uns aufsammeln. Nach kurzer Recherche ist der Wat auf der Karte ausgemacht und es geht los durch die Stadt. Am Wat ist reger Betrieb. Markt, Frisör, Zahnreperateure, Verkäufer, Verkehr alles bewegt sich außer wir, denn wir warten erst mal ob uns nun Hong abholt. Es passiert nichts, drei vier Telefonate später steht der Gute mit seiner herausgeputzten Honda Dream – dem Standardmodel in Kambodscha – vor uns und winkt uns in seinen Windschatten. Zwei Minuten später sind wir da und fallen auf die Stühle im Foyer, das Hong in aller Eile kurz vorher nass gewischt hatte.

Hong lebt in einem Haus, dessen Ausmaß ohne weiteres für eine Großfamilie ausreichen würde. Es liegt in einer verwinkelten südwestlich gelegenen Ecke der Stadt und grenzt mit einer Seite an die Hausmülldeponie des Blocks, so scheint es. Aus dem riesigen Wohnraum im Erdgeschoss, der zum Teil bis zur Decke des zweiten Stocks ragt, gelangen wir über die spartanisch ausgerüstete Küche in den zweiten Stock wo sich Hong in einem der beiden Schlafzimmer basisorientiert eingerichtet hat. Das Zimmer gleich nebenan, steht offensichtlich leer, dem Sauberkeits- und Einrichtungsgrad nach zu urteilen. Über eine weitere schmale Treppe und nach dem jaulen einer blechernen Tür stehen wir auf der überdachten Dachfläche. Wo Feldbett, Wäscheleinen und herumliegender Rat wie Unrat von der Nutzungsintensität zeugen. Es ist Sonntag. Zugegeben, super gemütlich ist anders, doch Hong tut alles um die hallende Betonhütte in eine charmante Atmosphäre zu verwandeln. Wir bleiben mit unseren Rädern und Gepäck unten, hier gibt es ein Badzimmer, ein Bett, zahlreiche Stühle und einen Fernsehapparat, der schon kurze Zeit später flimmert und die lokalen News in Endlosschleife rotiert. Beiläufig, wir hatten kaum noch damit gerechnet, löst Hong das Rätsel der elterlichen Plantage und deren Frucht. Ganz einfach! Mit dem Gedanken an Bohnen lagen wir eben weit entfernt von Cashewnüssen, die im Inneren der Nierenbohne gedeihen.

Am Abend drängeln Hong, mit Leonie auf dem Moped, zusammen mit mir auf dem Fahrrad durch die belebte, enge Schneise der Marktstraße. Fisch, Reis und Gemüsetopf stehen später auf dem total unpraktikablen Küchenmobiliar, danach kuscheln wir uns unter das Moskitonetz, welches vom Windstrom des Ventilators windschief in seinem Provisorium seine Form hält. WLAN braucht Hong nicht, er besitzt diverse Sim-Karten, die er je nach Verwendung seines Smartphones tauscht oder erneut mit Guthaben aufläd.

Auch wir gehen am nächsten Tag eine Sim-Karte kaufen, nachdem der Tag als solcher, kein nennenswertes Erfolgserlebnis für uns bereitgehalten hatte. Denn mit dem Versuch unser Visum zu verlängern, waren wir nach zwölf Kilometer Anfahrtsstrecke, durch regen sowie chaotischen Stadtverkehr bereits am morgen, am buddhistischen Feiertag gescheitert, der gleichzeitig ein Behördenfeiertag ist. Es ist zudem ein verlorener Werktag, was uns zusätzlich ein Wochenende in die Bearbeitungszeit setzt, was sich am Tag darauf aber als unnötiger Ärger herausstellt, da der Bewilligungszeitraum sechs, statt, wie wir gehofft hatten, verhandelbaren drei bis fünf Tage in Anspruch nimmt und der Tag der Antragsstellung nicht mitinbegriffen wird. Neun Tage Phnom Penh, jetzt sind wir richtig gefrustet! Es bleibt die Option, das Land in der uns verbleiben Visazeit nach Thailand zu verlassen und ohne Bürokratieaufwand, zehn Minuten später, erneut mit neu ausgestelltem Visa in Kambodscha einzuradeln. Die Entscheidung wird auf den kommenden Tag verschoben, es bleibt viel Zeit im Eiskaffee und WLAN die Optionen zu bewerten. Unseren Gastgeber, den wir am Tag zuvor zum Essen eingeladen hatten, müssen wir heute mit Kürbispüree und Klebereis zufriedenstellen, die Begeisterung hält sich in Grenzen.

Doch der Plan steht und es soll südlich des Tonle Sap See, Richtung thailändische Grenze gehen, dann entlang des Grenzverlaufs nach Norden, um dann möglichst Zeitgleich mit Dafna und Simone in Siem Reap, über die nach Süden führende Straße zusammenzuführen, was wir sehnlichst erwarten.

  1 comment for “Kampong Cham – Phnom Penh (18.02. – 23.02.)

  1. Yaser
    24. Mai 2016 at 17:42

    Hi my dear Friends. I see you are very good and nice.
    This junior has made you younger than before .(winking icon)
    Your next destiny is Mianmar ?
    Here is really colder than last year. you were not lucky. You came here one year earlier . hahaha
    I wish you happiness and healthy always.
    With Love for dear Leonie and sweet Philipp.

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