Phnom Penh – Battambang (23.02. – 29.02.)

 

Zu Beginn des dritten Arbeitstages verlassen wir den urbanen Kern Richtung Norden und sind froh als nach zweieinhalb Stunden keine Stadtstruktur mehr sichtbar ist. Über Sandpisten führt ein Weg zurück auf die haupte Straße, die uns nach Battambang führen soll. Dort wo die Busverbindung zehn Stunden braucht, sind es für uns vier Tage auf teils guter, teils miserabler Asphaltschicht und stets sind die Nächte im Zelt Niedertemperatur Saunagänge ohne Aufguss. Wir können nicht klagen, es geht uns gut und unterwegs halten die Räder stets an Märkten, kleinen Essensständen an der Straße, an Cafés und treffen auf herzliche Menschen, wie bspw. die Familie eines kleinen Suppenladens, auf eine kambodschanische Dame aus Hamburg, die uns prompt auf einem kleinen Dorfmarkt in direktem Charakter in eine Unterhaltung einläd und Bernd (ebenfalls im Alternsniveau der erwähnten Dame) aus München, der über viele Jahre Radreiseerfahrung in sich trägt und seinen Reiseführer „Myanmar“ der tragenden Last zugunsten an uns weitergibt.

Sonst ist es auf der Nationalstraße Nr.5 sehr laut. Alles was Räder hat und irgendwie fährt, brummt an uns vorbei. Natürlich wird vorher gehupt, mit Presslufthupen, die sonst an Großkontainerschiffen montiert sind, damit du einerseits gewarnt und zweiterseits mit dem Druck des Signals von der Straße springst. Bei großer Hitze verhällt es sich wie folgt! Der Tag beginnt um 6:30Uhr, macht Halt von 11:30 bis 16:00 und rollt dann nach einer bis zwei Stunden radeln, bei der Suche nach einem Schlafplatz aus.

Battambang nähert sich, ausweichen auf eine Seitenstraße, Ruhe und Feldwege spüren, dreizig Kilometer für den morgigen Tag aufsparen und entspannt ankommen. Aus der Thermoskanne gibt es Eiswürfel, in der Dzezwa schäumt der Kaffee auf, hausgemachtes Eisbohnengetränk, selbst die süße Kondenzmilch fehlt uns nicht. Schon während der Zubereitung, hatte sich die Nachbarin zu uns in die Schatten gesellt, um mit uns über Kaffee und die alltäglichen Dinge des Lebens zu erzählen. Zusammen unterhalten wir uns prächtig. Sie sitzt gelassen in der Hocke und immer wenn wir einen neuen, ihr unbekannten Handgriff machen, steigt ihr Interesse und ihr Körper verlagert sich aus dem Gleichgewicht.

Am kommenden Morgen bei Sonnenaufgang verabschieden wir uns bei der netten unterhaltenden Dame und vibrieren auf direkter Linie entlang des Bewässerungskanals auf schlotter Schotter stadteinwärts. Vorbei an vorgelagerten Dörfern, die im Programm des „Soksabike“ Projekts Bestandteil des wachsenden Radtourismus sind, was wir auch gleich von Chris einem erfrischend sympathischen Schotten in all seinem Humor gewahrt werden. Die Stadt ist entspannt! Soksabike wird seit einem Monat von Chris dem „Manager“, der zuvor in Taiwan in einem anderen Projekt arbeitete, im Idealfall auf Wirtschaftlichkeit gebahnt werden. Nach einem Jahr soll dann die Leitung an involvierte Kambodschaner zur Selbstverwaltung übergeben werden, so wie es auch das Eckkaffee in Sichtweite bereits geschafft hat. Den Hollowtech 2 Tretlagerschlüssel, den wir hier vermutet hatten, hat es in der Werkstatt nie gegeben und auch in den übrigen Fahrradverleihen ist dieser unauffindbar. Also lassen wir Chris seine Arbeit machen, den wir länger als erwartet in unterhaltsamem Englisch belästigen durften und drohen uns für den nächsten Tag an. Er lacht und heißt uns herzlich willkommen. In einer Absteige, nicht weit, fällt die Entscheidung für ein Doppelzimmer. Propellorwind und die Dachterrasse sind schön und als die Sonne den höchsten Stand erreicht, liegen wir mit langen müden Beinen im Zimmer, dass gerade genug Platz für Taschen, Räder und uns beide bietet. Viele Reisende kommen und gehen, mit zwei „Overland Travellern“, wie die beiden Engländer Kat und Tom von sich sagen, sind wir eine kleine Gruppe Weitgereister. Ihr Jeep, ein ehemaliger Krankenwagen, parkt auf der anderen Seite der Straße und wird gerade mit Länderfähnchen beklebt, um das Reisemobil optisch aufzuwerten. Interessiert am Komfort und dem anderen Reisen auf vier Rädern wird die alte Kiste gewürdigt. Am Abend geht es gemeinsam zum Abendessen und anschließend in eines der zahlreichen, nicht ganz so kambodschanischen, eher französischen Cafés zum Digestif in Form eines ausgesprochen leckeren Mousse au chocolat. 🙂

Am kommenden Morgen zeigt die Doppelbrennerküche an der Kofferraumtür, was sie kann! Pfannkuchen für Pfannkuchen geht über den Hecktresen des Reisejeeps und die beiden sind geschockt über die Masse an Pancakes, die auf uns vier zukommen. „Doch anders das Reisen über Land“. Zufrieden und prall gesättigt döst der Tag mit Wortjonglagen und Erinnerungspotenzial in Richtung nächstem Blockeintrag, immer mit dem Gefühl, zu langsam oder zu speziell die Erfahrungserstattung aus der Ferne, weit hinter up to date, vielleicht, wenn es das Internet zulässt am Abend im Netz zu veröffentlichen. News die Geschichte sind, denn die Zeit brennt und direkt am nächsten Morgen knuddeln wir zum letzten Mal Chris, der unbedingt neue Fahrräder braucht und radeln gen Westen.

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